Gänsekiel & Tastenschlag 2006
Diese Seite enthält Hintergrund-Informationen zum G&T 2006 und die vollständige Liste der Teilnehmer mit Bewertungen.
Inhaltsverzeichnis
Der Rahmen
Das Wettbewerbs-Thema im Jahr 2006 lautete Spott, Schalk und Narretei, der Ausschreibungstext aus der Ankündigung (pdf, zip, 109KB):
Seid Ihr der epischen Schlachten müde und des Dämonengezüchts überdrüssig? Seid Ihr es leid Aventurien ein ums andere Mal zu retten und Erholung in regnerischen Überlandreisen suchen zu müssen? Dann ist es an der Zeit für Gaukeleien und Schelmenstreiche, aber auch für zynisches Gespött und den gehobenen Horasischen Humor.
Wir suchen Abenteuer, die durch ihren besonderen Witz, Schalk und Schabernack punkten – ohne in die Tiefen schlechter Kalauer oder müßiger Zoten abzutauchen: absurde Plots und NSCs, sarkastische Situationen, ironische Kommentare des Aventurischen Weltgeschehens und Szenen, die einem vor Lachen den Schmerz in den Bauch treiben können. Nicht nur Schelme und Kobolde bringen amüsantes Chaos nach Aventurien, auch verschrobene Gestalten, irrsinnige Konstellationen und immer verrückter werdende Geschichten können die Helden fordern.
Doch obacht: Die Abenteuer müssen spielbar bleiben – und gerade bei humorvollen Geschichten muss gesichert sein, dass der Spaß am Spiel nicht auf der Strecke bleibt.
Mit dieser Themenvorgabe sollte ein bisschen der Trend zum ‘Bierernsten’ in DSA unterlaufen werden: Kleine und nette Abenteuer haben auch ihren Reiz, aber gerade die Spieler zum Lachen zu bringen und gemeinsam einen wirklich lustigen Abend zu verbringen ist keine leichte Aufgabe. Das haben sich wohl auch viele potentielle AutorInnen gedacht und so wurden in diesem Jahr wieder relativ wenige Abenteuer (nämlich 16) eingereicht.
Auch in diesem Jahr wurde wieder eine Begrenzung von 120.000 Zeichen vorgegeben, um die Jury nicht zu überlasten. ;)
Die Teilnehmerliste mit Wertungen
Wir haben wie üblich nach 5 Kategorien bewertet, nämlich
- Abenteuerplot / Logik / Dramaturgie / Spannung (A)
- Aventurische Stimmigkeit (B)
- Sprach- und Schreibstil / Lesespaß (C)
- Umsetzung der Themenvorgabe (D)
- Anwendung der DSA4-Regeln (E)
Dabei konnte jedes der sechs Jury-Mitglieder 5 Punkte pro Kategorie vergeben, so konnte jedes Abenteuer maximal 30 Punkte pro Kategorie bekommen. Die Wertung A wurde in der Gesamtwertung dann 2mal gezählt, weil dieses Qualitäts-Kriterium besonders wichtig ist, während wir Wertung E geringere Bedeutung zugemessen und halbiert haben. Ebenfalls wichtig ist die D-Wertung gewesen, die 1.5mal gezählt wurde.
Insgesamt konnten also maximal 180 Punkte erreicht werden.
Achtung: Die Gesamtpunktzahl ist durch die im letzten Jahr geänderte Gewichtung der Wertungen nicht mehr mit denen aus den Jahren 2003 und 2004 vergleichbar. Durchaus vergleichbar ist aber die ungewichtete Kategorien-Wertung.
In der folgenden Siegerliste sind die Kategorien-Wertungen ohne Gewichtung aufgeführt, die Zahl hat also immer 30 mögliche Punkte zur Referenz!
| # | Titel —Autor/in |
A*2 | B | C | D*1,5 | E*0,5 | Gesamt |
| 1) | Totgelacht - Kleider machen Schelme —Stefan Weber, Simon Schollenberger, Stefan Löffler |
22.5 | 20.5 | 24 | 27 | 18.5 | 139.25 |
| 2) | Das Panhumoricum —Dominic Hladek |
19 | 18.5 | 22.5 | 27 | 27.5 | 133.25 |
| 3) | Der Hauptmann von Punin (Solo) —Peter Michalski, Bernard Klitzke |
20 | 18.5 | 20.5 | 18 | 17.5 | 114.75 |
| 3) | Das Wirtshaus Zum lachenden Wildschwein —André Heines |
18 | 18 | 23 | 18 | 21.5 | 114.75 |
| 5) | Von Mathematik und Metamorphosen —Alexander Grimme |
17.5 | 11 | 17 | 17 | 14 | 95.5 |
| 6) | Das Drachenproblem —David Krannich |
15 | 14.5 | 15.5 | 12 | 9 | 82.5 |
| 7) | Der Narrenkarren —Tobias Junge |
15 | 14 | 15.5 | 10.5 | 8 | 79.25 |
| 8) | Eine schlüpfrige Angelegenheit —Julia Rasek, Kath Goetz, Maxi Niestegge, Sandra Haverkamp |
9.5 | 14.5 | 16.5 | 12.5 | 7.5 | 72.5 |
| 9) | Das Leben der Anderen —Karl Graf |
12.5 | 14 | 14 | 5.5 | 11 | 66.75 |
| 10) | Der Bold, der Böse, der Drache —Jörg Hagenberg |
12 | 15 | 11 | 7.5 | 10.5 | 66.5 |
| 11) | Die Drachenprinzessin —Schattenfalk |
10 | 8 | 16 | 8 | 13 | 62.5 |
| 12) | Weinfest in Bomed —Hauke Obersteller |
11 | 10.5 | 11 | 7.5 | 12.5 | 61 |
| 13) | Die Gnerliche —Britta Brückner, Matthias Reinhardt |
11.5 | 7.5 | 13 | 9 | 2.5 | 58.25 |
| 14) | Das ist mein Ring! —Johannes Scheiwe |
7 | 12 | 11 | 5.5 | 6 | 48.25 |
| 15) | Die fortwährende Zeit der Prüfungen —Ramona Franz |
8 | 11 | 8 | 3 | 3.5 | 41.25 |
| 16) | Die andere Wette —Raoul Langner |
3.5 | 5 | 7.5 | 5.5 | 1.5 | 28.5 |
Einen herzlichen Glückwunsch und vielen Dank an alle Teilnehmer! :)
Ein Blick auf das Ganze
Platzierungsspiele
Die Wertungsliste zeigt im oberen Bereich ein starkes Gefälle: Nur die ersten beiden Abenteuer haben offenbar die Themenvorgabe so erfüllt, dass die Jury wirklich begeistert war. Je 27 Punkte in der D-Wertung sind sehr gute Ergebnisse (gemessen an 30 möglichen Punkten), das hat zum Beispiel im letzten Jahr niemand erreicht. In diesen Abenteuern sind also Spaß für Meister und Spieler garantiert. Zu den (manchmal drastischen) Abzügen in der D-Wertung bei vielen Abenteuern auf den folgenden Plätzen ist es unter anderem aus folgenden Gründen gekommen, die zeigen, wie anspruchsvoll das diesjährige Thema offenbar tatsächlich war: Einige Abenteuer waren sehr amüsant geschrieben, während das Amusement aber nicht auf die Spielsituationen selbst übertragen wurde und die rhetorische Aufwendigkeit dieser mehr oder minder kunstvollen Texte das Meistern noch eher erschwerte; weil vor allem der Spielleiter schadenfreudigen Spaß daran haben sollte, seine Spieler zu gängeln oder zu veräppeln; oder weil die eingestreuten komischen Szenen eigentlich gar nichts mit dem Plot zu tun hatten, sondern beliebig wirkten. Leider fiel insgesamt schon auf, dass oft versucht wurde, Spaß auf Kosten der Helden zu erzeugen, was am Spieltisch selten witzig sein dürfte und deutlich nicht Sinn der Themenvorgabe war.
Die recht ordentlichen A-Wertungen (Plot, Dramaturgie, Spannung) unter den ersten 5 Plätzen zeigen, dass man sich offenbar nicht so oft übernommen hat – viele Plots waren angemessen klein und relativ rund. Vor allem wurde von der Jury hier auch Ideenreichtum honoriert.
Dafür fällt auf, dass nur wenige Abenteuer ihre humoresken Ideen aventurisch stimmig umsetzen konnten, die B-Wertungen liegen weit unter dem Schnitt des letzten Jahres. Bizarre Koboldswelten, neue Völker oder witzige Grotesken sind eben eine Gratwanderung. In manchen Abenteuern wurde aber auch absichtlich (und in einigen Fällen sehr erfolgreich) mit irdischen Anleihen oder Realitätsbrüchen gearbeitet, um lustige Szenen zu erzeugen – da wurden die zu erwartenden Abzüge der B-Wertung offenbar bewusst hingenommen.
In der C-Wertung (Lesespaß) sticht das Siegerabenteuer heraus, das mit einem angenehmem Stil und sehr schönen ingame-Texten überzeugt hat. Weniger gut haben Abenteuer abgeschnitten, deren betont witziger Schreibstil übertrieben wirkte oder das Leiten eher behinderte, weil Informationen humorig umschwurbelt oder hinter Pointen versteckt wurden.
Nur ein einziges Abenteuer (der 2. Platz) hat sich konsequent und erfolgreich darum bemüht, die E-Wertung (DSA4-Regeln) zu erfüllen. Viele Abenteuer konnten ihre Ideen nur mäßig gut mit den üblichen Regelmechanismen umkleiden – die meisten haben es gar nicht erst versucht, sondern ignorierten die Regeln zugunsten der Stimmung und der Absicht einer Szene. Dafür gab es leider oft deftige Abzüge, auch wenn die Szenen selbst durchaus ohne Regeln funktionieren mögen.
Schelme, Witze, Kolbodsstreiche
Inhaltlich kommen in vielen Abenteuern Schelme und Kobolde vor, was natürlich zu erwarten war, auch wenn sie durchaus nicht immer typisch sind, sondern immer ihre Eigenheiten haben. Als abweichende Besonderheiten sind die Versuche bemerkenswert, ein klassisches Horror-Setting ins Komisch-groteske zu ziehen (Mathematik und Metamorphosen), durch reine Situationskomik (Der Hauptmann von Punin) oder Unterwäschenhumor (Eine schlüpfrige Angelegenheit) zu amüsieren.
Überrascht war die Jury aber, dass eigentlich niemand die aventurischen Settings aufgegriffen hat, die (neben Schelmereien und Koboldsspäßen) bereits als humorvoll in der Hintergrundwelt angelegt sind: Der ewige Kleinkrieg zwischen Nostria und Andergast, das horasische Perücken-und-Puderquasten-Genre, das fahrende Volk aus Gauklern und Scharlatanen, die gemütlichen Hügelzwerge, etc.
Bilder gucken
Im letzten Jahr haben wir begonnen, die zum Teil erstaunliche Illustrierung vieler Abenteuer zumindest an dieser Stelle zu würdigen, wenn sie schon nicht in die Wertung einfließt. Die Jury freut sich immer sehr, wenn sie etwas fürs Auge geboten bekommt! Auch dieses Jahr gab es wieder sehr schöne Bilder, von denen hier eine Auswahl vorgestellt sei:

aus: Das Panhumoricum

aus: Der Bold, der Böse, der Drache

aus: Der Narrenkarren

aus: Die Gnerliche
Dazu kommen in vielen Abenteuern noch aufwendige Karten für Städte und Landstriche, Pläne für Dungeons, Villen oder Wildschwein-Rennen, sowie Handouts für Briefe, Tagebücher oder Botschaften.
Den kenn’ ich doch ...
Unter den Autorinnen und Autoren sind wieder einige, die auch in den letzten Jahren schon Abenteuer eingesandt haben: Britta Brückner und Matthias Reinhardt (2003), Ramona Franz (2005), André Heines (2005), Hauke Obersteller (2005), Johannes Scheiwe (2005). Eure Treue freut uns besonders! :)
