Skip-Navigation für Tastatur-Bedienung

Archiv-Eintrag

<< < > >>

Katharinas Austritt aus der DSA-Redaktion

Katharina ~ #86

Ich sage gleich vorab, dass der Rauswurf von Mark Wachholz zwar der Anlass, nicht aber der Grund ist, warum ich gestern aus der DSA-Redaktion ausgetreten bin.

Ich habe bereits vor mehreren Monaten angefangen, eine Mail zum Austritt aus der Redaktion zu schreiben, als sich abzeichnete, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Kernteam und der Redaktion nicht funktioniert und sich damit die Befürchtungen bestätigt haben, die für mich im Herbst mit der Einsetzung des Kernteams die Arbeit in der Redaktion betreffend verbunden waren (und die mir bereits damals viel Arbeitslust und Motivation, die ich z.B. von der RatCon mitgenommen hatte, geraubt haben): dass damit die Arbeit der Redaktion faktisch marginalisiert wird und sich dies auch neben der nochmaligen Verschlechterung von Kommunikation und Koordination vor allem in der Missachtung von Verantwortlichkeiten der RedakteurInnen niederschlagen wird.

Der einzige Grund, nicht eher aus der Redaktion auszutreten, war meine Hoffnung auf die Einsetzung eines und Mitarbeit in einem Metaplotteam, das systematische metaplotbezogene Redaktionsarbeit macht, das Metaplotkonsistenz und -transparenz für RedakteurInnen, AutorInnen und SpielerInnen herstellt, das die Nachhaltigkeit von Planungen gewährleistet und damit das Vertrauen der Spielerschaft in die Arbeit der Redaktion und den Wert von DSA-Metaplots und des lebendigen Aventuriens stärkt bzw. zurückgewinnt.

Einer Instanz mit diesen Aufgaben und Verantwortlichkeiten hat der Verlag uns gegenüber am Mittwoch eine Absage erteilt. Damit erledigt sich für mich auch der letzte Grund, noch Arbeit in der Redaktion und für das offizielle DSA zu investieren.

Diese Arbeit erfordert ein enormes Maß an Idealismus. Ich bekomme dafür keine äußere Gegenleistung, die sie irgendwie aufwiegen würde (Bezahlung gibt es nur für konkrete Texte, nicht für redaktionelle Arbeit, Konzeptarbeit, Planungen, Koordination, Autorenbetreuung etc. — all das braucht aber oft genauso viel, manchmal deutlich mehr Zeit als das eigentliche Schreiben, und diese Bezahlung ist im Verhältnis zu den Arbeitsstunden nicht mehr als ein Taschengeld, Wertschätzung von Seiten des Verlages gibt es keine, von der Spielerschaft insgesamt auch nur wenig).

Für mich sind deshalb die einzigen Gründe, für DSA zu arbeiten, das einzubringen, was ich gut kann, und meine Arbeit so gut zu machen, dass ich selbst damit zufrieden bin, dass ich auf das Ergebnis meiner Arbeit stolz sein und diese in einen Kontext einbringen kann, mit dem ich mich identifiziere.

Der Verlag hat mir deutlich gemacht, dass er die Kompetenzen, Fähigkeiten und Arbeitsleistungen, die ich in der redaktionellen Arbeit für DSA beitragen kann und will, nicht wertschätzt und für unwichtig oder überflüssig befindet.

Die ‘Vision’, die Ulisses von DSA hat, sind möglichst viele bedruckte Seiten; der Inhalt und die Qualität sind nachrangig. Das ist für mich aber keine Umgebung, in der ich weiter Arbeit leisten will, die sich allein aus dem Wunsch motiviert, für gute, erzählerisch spannende Entwicklungen zu sorgen, gute, sinnvolle Publikationen auf den Weg zu bringen und gute, nützliche Texte zu schreiben, und sich für mich auch nur aus diesem Wunsch motivieren lässt.

Marks Rausschmiss hat den Entschluss, unter diesen Bedingungen die DSA-Arbeit aufzugeben, letztlich nur finalisiert. Denn:

Mark hat konstant engagierte, qualitativ hochwertige Arbeit (sowohl Konzept- als auch Schreibarbeit) geleistet, hat unzählige Stunden in vom Verlag selten überhaupt wahrgenommene, geschweige denn in irgendeiner Form anerkannte grundwichtige Systematisierungs- und Planungs-, aber auch Grundlagenarbeit gesteckt (beispielsweise in die zeitaufwendige Erstellung eines digitalen DSA-Archivs, das die Recherchearbeit enorm erleichtert hat).

Mark war der konsequenteste Konzeptarbeiter in der Redaktion, und er hat sich ständig bemüht, Transparenz und Planungssicherheit bezüglich Entwicklungen des lebendigen Aventuriens herzustellen. Er war einer der wenigen Redakteure, der immer versucht hat, den offiziellen Weg der Absegnung von Konzepten zu gehen, der sich um Koordination mit allen Themenverantwortlichen bemüht hat, der konstant andere von sich aus über Bereiche seiner Arbeit informiert hat, die diese betreffen. Er hat Verantwortung für dutzendweise lose Fäden anderer AutorInnen und RedakteurInnen übernommen.

Mark hat außerdem mit seinem Idealismus und seiner leidenschaftlichen Vision von einem besser organisierten und inhaltlich hochwertigeren DSA neben Tyll auch mich und viele andere immer wieder angesteckt und dafür motiviert, ihre Kreativität, Arbeitszeit und Energie unter meist mittelprächtigen Umständen und gegen alle Widerstände und allen Frust in DSA zu investieren.

Der Rausschmiss von Mark ist deshalb für mich nicht nur ein klares menschliches, sondern auch inhaltliches Signal: Damit wird wertvolle Arbeit einfach in den Wind geschlagen, großes Engagement als unerwünscht erklärt und eine Absage an die Art von redaktioneller Arbeit erteilt, die ich gerne leisten wollte.

Ich wollte das, was ich gut kann, meine intrinsische Arbeitsmotivation, meine Zeit und Energie und auch mein emotionales Involvement gerne in den Dienst von DSA und Ulisses stellen. (Und es geht dabei gerade nicht darum, meine persönlichen Vorlieben und ‘Steckenpferde’ zu realisieren, sondern als Redakteurin und Autorin Verantwortung für das Produkt DSA zu übernehmen.) Doch unter den gegebenen Bedingungen schade ich mir nur noch selbst, wenn ich das weiter versuche.

Ich bin sehr enttäuscht darüber, auf diese Weise viel, viel Arbeit, mehrere ‘Herzblutprojekte’, ein großes Maß an Idealismus einfach verpuffen und mehrere gute Konzepte (nicht nur von mir) schlicht gegenstandslos werden zu sehen.


<< < > >>

Kommentare

40 Beiträge. Aktuellster Beitrag ↓

Sindar

21.08.2010, 14:00 Uhr ~ #1

Hallo Katharina,

es tut mir so unendlich Leid und weh, dass Du, Mark und Tyll aufgehört habt oder aufhören musstet.

Die Workshops auf dem Ratcon von Euch haben mir sehr viel Spaß gemacht und viel Hoffnung und Vorfreude auf tolle DSA Produkte gegeben. Mit euch konnte man auch reden, einfach auf euch zugehen und ihr habt euch Ideen und Vorschläge angehört. Es war einfach super mit euch.

Die Beweggründe die du hier schilderst kann ich (und so geht es vielen bestimmt wie mir) sehr gut nachvollziehen und ich bin zwar traurig über deine Entscheidung, aber auf der anderen Seite froh, dass du den Mut hast diesen Schritt zu gehen, wenn du an das Kernteam/Ulisses/den Produktplan oder was auch immer, nicht mehr glauben kannst.

Danke für die viele Arbeit, die Kommunikation und die tollen Spielhilfen :)

Ich hoffe, wie viele andere auch, dass ihr DSA weiterhin erhalten bleibt und wenn es wieder mit einem Projekt (wie Borbarad) oder langen Diskussionen in Foren ist.

Liebe Grüße,

Martin


Fleckentier

21.08.2010, 14:19 Uhr ~ #2

Hallo Katharina,

als langjährige Spielerin bedauere ich sehr, von deinem Weggang zu hören. Diese unschönen Interna der Redaktion schlagen hohe Wellen: Mark, Tyll, Ragnar, Michelle, du... Allesamt tolle Autoren, deren Arbeit ich stets mit Interesse verfolgt habe. Deshalb auch dir an dieser Stelle meinen ganz herzlichen Dank für all die Zeit und Mühe, die du in die Gestaltung Aventuriens investiert hast.

Deine Beweggründe, die du hier sehr offen schilderst, sind aus meiner Sicht absolut nachvollziehbar. Niemand arbeitet gern hart für etwas, ohne Wertschätzung dafür zu erhalten oder zumindest seine persönliche Erfüllung darin zu finden. Ich wünsche dir daher, dass diese Konsequenz nicht nur eine notwendige und schwere Entscheidung, sondern auch ein Stück Erleichterung für dich selbst bedeutet und dass du nicht langfristig deine Freude an DSA verloren hast dadurch.

Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn du nicht ganz von der Bildfläche verschwindest und man irgendwann demnächst vielleicht wieder das eine oder andere von dir zu lesen bekäme. Ich persönlich bin inzwischen – wie viele andere Spieler – dazu übergegangen, nicht mehr sklavisch alle offiziellen Vorgaben zu beachten und ein Aventurien, wie es mir selbst stimmig und spielbar erscheint, auch auf Basis inoffizieller Publikationen und eigener Ideen zu erweitern. Und ich denke, deine Texte würden auch zukünftig viel guten Einfluss darauf nehmen. Für die Zukunft “meines” Aventuriens wünsche ich mir deshalb, dass dein und der Rückzug der anderen Autoren wirklich “nur” offiziell, jedoch nicht vollständig erfolgt und es weiterhin so tolle und liebevoll ausgestaltete Projekte wie den Wolkenturm geben wird. Und für deine Zukunft wünsche ich dir alles Gute, mehr Arbeitslust als Frustration und neue Impulse, die dich kreativ und mit deinem Wirken zufrieden sein lassen.

Herzliche Grüße.

Fleckentier


Die Boronsgräber

21.08.2010, 14:39 Uhr ~ #3

Ich finde es sehr schade, dass Du diesen Schritt gemacht hast. :-(


Die Boronsgräber

21.08.2010, 14:41 Uhr ~ #4

Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Du nicht doch vielleicht irgendwann mal wieder für das offizielle DSA tätig sein wirst.


Heldi

21.08.2010, 14:55 Uhr ~ #5

Hallo Katharina,

zur Klarstellung eine Sachfrage zu diesem Ausschnitt:

“Einer Instanz mit diesen Aufgaben und Verantwortlichkeiten hat der Verlag uns gegenüber am Mittwoch eine Absage erteilt.”

Ist das so zu verstehen, dass die Absage zu dieser Instanz in der Trennung von M.W. lag (dann wäre M.W. etwas entpersonalisiert formuliert als Instanz bezeichnet) oder ist damit eine gesonderte Absage der Verlages an eine solche “Organisation” gemeint. Kann man so oder so verstehen, ist aber mMn sehr unterschiedlich zu beurteilen.

Heldi!


Katharina

21.08.2010, 15:16 Uhr ~ #6

Hallo Heldi — kurz zur Klarstellung: Nein, diese Absage lag nicht im Rauswurf von Mark, sondern war (zumindest soweit ich Einblick in das Geschehen habe) davon unabhängig.


Heldi

21.08.2010, 15:27 Uhr ~ #7

Ich danke Dir! Diese Aussage macht für mich persönlich zum ersten Mal konkret, worin der Kern des Problems zu liegen schien. Nämlich offenbar, wie wichtig der Metaplot im zukünftigen DSA weiter sein soll. Das klang zwar bereits in Erklärungen der anderen Autoren an, aber hier haben wir ein konkretes Beispiel dafür, was damit gemeint ist.

Ich muss zugeben, dass ich den Entwicklungen der letzten Tage eher gelassen gegenüber gestanden habe. Aber jetzt scheint es mir plötzlich so, als ob hieran eine Wegscheide für die Zukunft von DSA für die uneingeweihte Konsumenten-/Spielerschar sichtbar werden würde.


Saimid

21.08.2010, 15:50 Uhr ~ #8

Hallo Katharina,

zunächst einmal auch von mir ein riesiges Danke für all die Tollen Arbeiten und Beiträge. Für ALuT, all die anderen Werke und die vielen Stunden die ich im Teestübchen (fast ausschließlich als stiller Leser) verbringen durfte.

Ich klammere meine Hoffnung im Moment tatsächlich noch etwas daran das es nicht ganz so bitter kommt wie das in deinem Text oben durchscheint.

Falls doch habe ich irgendwie das Gefühl euch (als Konsument und Spieler natürlich nur) bald nachfolgen zu müssen.

Wie die anderen auch, wünsche ich mir natürlich, dass du nicht ganz verschwindest, sondern wir alle auch weiterhin hin und wieder etwas von die hören.

Das würde mich wirklich riesig freuen. So oder so wünsch ich dir alles gute, weniger Frust und ein paar neue Projekte die es Wert sind “Herzblut” hineinfließen zu lassen.


Luciano

21.08.2010, 16:24 Uhr ~ #9

Wow, wow, wow! Das lässt ja tief blicken!

Erst einmal ein riesiges Danke an Tyll und Dich für Eure bisherigen offiziellen und inoffiziellen Beiträge zu DSA!

Wenn man Probleme betrachtet und die Auflösung der Analyse nur hoch genug ist, dann landet man schließlich immer bei dichotomen Urteilen, entweder A oder B.

Ich finde es sehr schade, dass letztendlich die Entscheidung des Verlags für mehr bedruckte Seiten und gegen eine konsistente Spielwelt solch engagierte Autoren vergrault hat. Ich hatte – bitte nicht falsch verstehen – schon fast gehofft, es läge doch an persönlichen Querelen, da ich nicht glauben wollte, dass hier kommerzielle gegen Herzblutinteressen stehen, um nicht (vermeintlich) naiv zu sein.

Schade. Wieder ein bisschen weniger Idealismus in der Welt.

Ciao, Nicolas


Ulricus Pechsieder

21.08.2010, 17:04 Uhr ~ #10

Hallo,

auch ich habe das Rauschen der letztenTage im digitalen Blätterwald aufmerksam verfolgt. Ich würde dazu gerne dreierlei anmerken:

1) Ich selbst finde den Abgang von Mark Wachholz, Tyll Zybura und Katharina Pietsch schon im Hinblick auf die Qualität ihrer mir bekannten Werke sehr schade. Ich halte das durchaus für einen Substanzverlust. [Den häufig gelesenen Hinweis, dass andere Fan-Autoren doch bereits Schlange stehen, um die vorgenannten zu ersetzen und der Verlust daher nicht merklich sei, empfinde ich als ziemlich zynisch, jedenfalls als sozial unreif und auch in der Sache wohl nicht richtig]

2) Nachdem die Forenleserschaft (also auch ich) recht gut im Bilde ist, woran es “geklemmt” hat, was also der tiefere Grund für den Bruch war, bleibt er doch in Bezug auf das Handeln des Kernteams rätselhaft. Es mag ja sein, dass man vieles von Marks und der anderen Arbeit zum Metaplot nicht verarbeiten konnte, weil es schlicht an der Zeit/den Ressourcen für eine Berücksichtigung mangelte. Aber wieso schickt man denn jemanden in die Wüste, der doch ganz ehrenamtlich wertvolle Arbeit für die Konsistenz der Spielwelt leistet, auf die man doch zumindest dann, wenn doch einmal Zeit da ist oder die Plot-Karre so im Dreck steckt, dass man einen kreativen Feuerwehrmann braucht, zur Verfügung stünde? EInmal ganz abgesehen von diesem vielleicht nicht sehr sympathisch klingenden Kalkül glaube ich, dass die DSA-Redax (Kernteam) einem Irrtum unterliegt, wenn sie dem Metaplot nur untergeordnete Bedeutung zumisst. Das lebendige Aventurien war immer das Spezifikum von DSA. Jedenfalls halte ich die Spielerschaft für im Durchschnitt doch so anspruchsvoll, dass sie durch logische Brüche und Inkonsistenzen nicht unwesentlich genervt ist.

3) Und schließlich: Wie kann eine Profi-Redaktion ihre mit viel Idealismus agierenden freien Mitarbeiter so schnöde abfrühstücken? Das offenbart doch einen Mangel an Kommunikationsfähigkeit und “Personalführungsqualität”, die jedenfalls bei einem Chefredakteur befremdet. Offenbar ist Ulisses doch nur eine kleine Klitsche... Aber gerade dann ist man doch auf (quasi) ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen! .... Wie gesagt: alles etwas rätselhaft.

Etwas frustriert und ziemlich verwundert

Ulricus Pechsieder


Ethelion

21.08.2010, 17:40 Uhr ~ #11

Sich über fehlende Wertschätzung seitens der Spieler zu beschweren empfinde ich als zumindest unglückliche Form des Abgangs.

Ich hatte eigentlich immer das Gefühl, dass deine Arbeit bei den Fans sehr gut ankam, was auch in den Foren oftmals sehr deutlich wurde (wobei es natürlich auch, wie bei jedem Projekt, immer Kritiker gab).

Ein unnötiges “Nachtreten” in meinen Augen, sich jetzt darüber zu beschweren, dass man zuwenig Lob von den Spielern bekommen hat.

Schade.


Katharina

21.08.2010, 17:57 Uhr ~ #12

Hallo Ethelion, ich beschwere mich nicht über zu wenig Lob von SpielerInnen. Sondern die Wertschätzung durch die Spielerschaft insgesamt ist sozusagen als äußerer Faktor zu gering, um daraus genug Motivation zu beziehen und diese als “Gegenleistung” für meine Arbeit zu empfinden. Ich will damit — falls das falsch rübergekommen sein sollte — keineswegs diejenigen ignorieren oder vor den Kopf stoßen, die ihre Wertschätzung gegenüber der Arbeit von DSA-RedakteurInnen und -AutorInnen ausdrücken. (Und die anderen übrigens auch nicht, denn beide hatten mit den Gründen für meinen Ausstieg nichts zu tun.)


Bernd

21.08.2010, 19:17 Uhr ~ #13

Liebe Katharina,

mit großem Bedauern und noch größerem Verständnis für Deinen Schritt möchte ich Dir Dank sagen für Deine Arbeit.

Es gibt sehr viele im Bekanntenkreis, die verständnislos den Kopf schütteln, seit Ulisses immer mehr Textkopien in neue Einbände klebt. Eure Arbeit wäre in Zukunft so wichtig gewesen.

Aber gut, jetzt ist es zu spät für die Liebhaber einer vernünftigen Fantasywelt, in der Figuren und Themen zu Ende gedacht sind.

Viel Erfolg,

Bernd


Backalive

21.08.2010, 20:40 Uhr ~ #14

Hallo,

nach dem Weggang von Tyll war mir klar, daß es nur eine Frage der Zeit war, bis auch Katharina ihre Trennung bekannt geben würde.

An dieser Stelle bedanke ich mich nochmal herzlichst für die geleistete Arbeit, die inoffiziellen wie auch offiziellen Texte und Spielhilfen von ihr und Tyll.

Sie haben das Spiel in unserem Aventurien sehr bereichert und die im Wolkenturm zu findenden Spielhilfen haben mir als Spielleiter vielfach weitergeholfen.

Auch ich bin kein regelmäßiger Forenschreiber. Eher ein passiver Mitleser. Die Vorgänge in der Redaktion um eines meiner liebsten Hobbies veranlassten mich, in die Tasten zu klopfen.

Die Produkte, an denen Du bzw. auch Tyll und Marc mitgearbeitet habt bzw. die unter Eurer Federführung entstanden, waren mitunter das Beste, was an Werken zu DSA erschienen ist.

Seit dem Jahr des Feuers ist das Aventurien unserer Gruppe auch nicht mehr ganz das offizielle Aventurien.

Ich werde die Entwicklung von DSA und speziell Aventurien aufmerksam weiterverfolgen. Die Entwicklung nahm bereits seit der Rückkehr Rohajas Züge an, die mir nicht mehr gefielen. Sollte sich das in dem Maß fortsetzen, spielen wir eben letztendlich in einem komplett inoffiziellen Aventurien weiter.

Ich hoffe nur, ihr bleibt DSA treu.

Durchaus eigennützig hoffe ich dann wieder mehr inoffizielle Texte und Spielhilfen hier zu finden.

Herzliche Grüße

Wolfgang


Oger Wilhelm

22.08.2010, 00:19 Uhr ~ #15

Gute Nacht allerseits!

Zuerst einmal möchte ich mich dem allgemeinen Tenor anschließen: tut mir leid, dass Euch so viele unschöne Umstände dahin brachten, wo Ihr nun seid!

Von einer anderen Seite aus betrachtet – nämlich von der, dass ich mich schon vor längerer Zeit vom offiziellen DSA abgewandt habe – finde ich es aber beinahe beruhigend, denn:

(Ehrlich!) Eure Website hier war schon lange Zeit besser als die offizielle Seite von DSA – so mein aufrechtes Empfinden. Eure Liebe zu Aventurien hat sich schon vor Eurer offiziellen Einberufung in die Redaktion gezeigt, und zwar überdeutlich, und das meiste hier hat mir besser gefallen als alles, was ich aus dem Haus Fanpro/Ulisses kaufen konnte. Ich habe noch lange, nachdem ich aufgehört hatte mich für das offizielle Gesicht Aventuriens zu interessieren, hier nachgeschaut und auf Neuerungen gewartet.

Vielleicht könnt Ihr Euren Abschied von der Redaktion ja dahingehend auch als Freiheit sehen: malt weiter an Eurem Bild Aventuriens, ohne auf andere hören zu müssen. Der Wolkenturm verdient es, und seine Fans auch!

Alles Gute für die Zukunft jedenfalls wünscht der Euch stets gewogene

Oger Wilhelm


DesC

22.08.2010, 03:53 Uhr ~ #16

Mir fehlen die Worte.

Fünf Autoren sind aus dem offiziellen DSA raus, weil man es versäumt hat, sich mal bei einem Stück Kuchen hinzusetzen und mit seinen Angestellten zu reden.

In mir wächst mir jeder Nachricht, die ich in den ganzen Foren lese, das Gefühl, dass die Kern-Redax mal einfach durch kompetente Leute ausgetauscht werden sollte.

Versteht mich nicht falsch, auf Cons und Workshops fand ich die immer ganz nett, aber so wie es scheint ist alles nur (aufgesetzte) Fassade, ein Schauspiel aller erste Güte, um die Fans gewogen zu stimmen. Ob die Kern-Redax dabei nur Schauspieler oder Regisseure waren, weiß ich nicht. Ich tippe mal auf letzteres.

Einen guten Ruf baut man sich ein lebenlang auf, kann aber in einer Sekunde zerstört werden.

Hätten die Verantwortlichen Weitblick gehabt (meiner Meinung nach irgendwie das wichtigste als “Chef”), dann hätte man das alles hier sicher erkennen können ... Obwohl, da man ja scheinbar nie mit seinen Angestellten spricht ...

Auf jeden Fall zeichnet sich ein Bild ab, was mir so gar nicht gefallen will.

Ich frage mich, was nach diesem 4-maligen (Tyll, Katharina, Michelle, Ragnar) Denkzettel die Kern-Redax als Schadensbegrenzung unternehmen will. Vielleicht machen sie aber auch gar nichts und machen weiter, als wäre nichts passiert.

Zwei Dinge zum Abschluss.

(1) Ich bin sehr gespannt, ob sich die Kern-Redax auf die RatCon traut.

(2) Ich wünsche mir für Euch alle (Katharina, Michelle, Tyll, Ragnar), dass Ihr eure Entscheidung nie bereuen werdet, denn sie war richtig! Ich wünsche mir, dass Ihr auch weiterhin Euren Hobbies, Euren Leidenschaften treu bleibt und befreit von Zwängen Eure Kreativität freien lauf lassen könnt.

Ich ziehe meinen Hut vor Euch.

Grüße DesC


Schönheit ist die Summe der Teile, bei dessen Anordnung die Notwendigkeit entfällt, etwas hinzuzufügen, zu entfernen oder zu ändern.

-Johann Carl Loth (auch genannt “Carlotti”), italienischer Maler des 17. Jahrhundert


Valeria

22.08.2010, 23:00 Uhr ~ #17

Traurig. Ich hoffe sehr, dass künftig in der Redaktion noch Platz ist für die Qualität, mit der man sich die Fanbasis ursprünglich erarbeitet hat.

Als eines von vielen RPG wird sich DSA von den OGL-Systemen nicht dauerhaft absetzen können. Dazu muss man mehr bieten.

Hesinde zum Gruße,

Archomaga Valeria Fiorella Margarita Marquez

Fasar, Riva, Punin.


Martin Lorber

22.08.2010, 23:31 Uhr ~ #18

Auch von mir ... ich bedaure sehr, dass die fruchtbare Arbeit ein so trauriges Ende findet.

Ich denke noch gerne an die angenehme Zusammenarbeit bei “Angroschs Kinder” und “Die letzte Wacht” zurück und bedanke mich nochmals ausdrücklich herzlich dafür.

Die gute Arbeit und die Ideen von dir, Tyll und all den anderen, die nun gehen, wurden großteils gedruckt und werden von vielen DSA-Spielern immer wieder zum Leben erweckt. Das wird bleiben!

Alles Gute für den weiteren Weg!

Martin


Der Mönch

22.08.2010, 23:33 Uhr ~ #19

Sehr sehr schade! :(

Aber ich möchte mich auch noch einmal der euch mutmachenden, sehr positiv gemeinten Aufforderung anschließen : Genießt die neue innere Freiheit und seid weiter kreativ im Wolkenturm und anderswo! :9


Der Belhankaner Edelmann

22.08.2010, 23:47 Uhr ~ #20

Unglaublich was da in der DSA Redaktion vor sich geht und für mich als Fan der ersten Stunde auch nur schwer zu verkraften, denn gerade die hochwertige Arbeit die DSA immer von allen anderen Rollenspielen unterscheidet geht mehr und mehr verloren.

Ich wünsche dir alles Gute und ein gutes Gelingen für die Zukunft!


Cailean

23.08.2010, 10:30 Uhr ~ #21

Ich habe Ulrich Kiesow zwar nie kennen gelernt, aber ich denke mir, dass jemand, der DSA entwickelt hat, nicht gewollt hätte, dass irgendwann das Bedürfnis, Geld zu machen, über dem Wunsch, Aventurien weiter zu entwickeln, steht...

Ich kann die Entscheidung gut verstehen. Hoffentlich werden durch diesen Schritt die kreativen Geister eher angeregt als zum Schweigen gebracht.

Was die “unwichtige” Arbeit angeht: Auf diesem Weg, den die Redaktion jetzt eingeschlagen hat, wird DSA mehr und mehr zu einem unübersichtlich langen Teppich mit lauter Löchern und Fehlern. Und wer will so einen Teppich schon haben?


William F. Drake

23.08.2010, 14:05 Uhr ~ #22

Also es ist mir unbegreiflich, wie DSA funktionieren soll ohne Metaplot? Das ist doch der Grund, warum viele DSA spielen oder irre ich mich da? Wie wichtig der Meta Plot ist, sollte man doch daran sehen, wie viele den Bote abonniert haben.

Was soll nur aus dem guten alten DSA werden?


Tyll

24.08.2010, 12:02 Uhr ~ #23

Hallo zusammen,

Ich möchte zu zwei Themen etwas schreiben, die man mMn etwas differenzierter sehen muss:

1) Kommerzialität von DSA

Ich denke, niemand kann etwas dagegen haben, wenn mit DSA Geld verdient wird. Im Gegenteil ist die Rentabilität entscheidend dafür, dass DSA überhaupt fortbesteht. Ich habe für meine Redaktionsarbeit immer auch das Vorzeichen gehabt, DSA so zu entwickeln, dass es bei einer Allgemeinheit gut ankommt und begeisterte Käufer findet, exotische Nischenprodukte haben in diesem Kontext ihre Berechtigung, sind aber nicht der Maßstab.

Das Problem ist, dass die Verkaufszahlen von DSA-Produkten offenbar so gering sind und die Anzahl der Alles-Käufer so hoch, dass die Qualitätsansprüche der Fans, die Wünsche und Forderungen, das Lob und die Kritik, die man aus der öffentlichen Rezeption (Rezensionen, Forenbeiträge) herausfiltern kann, in keiner Weise mit dem Absatz der Produkte korreliert werden können. Schlecht rezipierte Produkte haben meistens keinen nennenswert schlechteren Absatz als gut rezipierte.

Der Verlag verspürt also keinen objektiven, quantifizierbaren Druck, der ihn zwingt, sich langfristige Gedanken über die Qualität seiner Produkte zu machen. Das heißt nicht automatisch, dass dies nicht geschieht, aber es heißt, dass andere Dinge wichtiger sind: Aufwandsminimierung, Ausstoßmaximierung. Für den Verlag ist das ja eine einfache Rechnung: Die DSA-Lizenz hat so und so viel gekostet, steht so und so lange zur Verfügung, also soll in dieser Zeit der maximal mögliche Umsatz damit gemacht werden. Wenn dieser Umsatz sowieso gering ist und der Verlag stark auf frisches Geld angewiesen ist, werden Qualitätssicherung (Lektorat, inhaltliche Konsistenzprüfung, Abstimmung) und Nachhaltigkeit (langfristige Planungen, übergreifende Konzeptarbeit, konstante Kommunikation mit AutorInnen und Fans, ‘Pflege’ des AutorInnen-Stamms) noch unwichtiger, weil beides bei einem extrem komplexen Produkt wie DSA sehr sehr aufwendig ist.

Das ist einerseits verständlich, andererseits aber furchtbar tragisch — denn es gibt ja eine erweiterte Redaktion, die eigentlich genau für diese beiden Elemente verantwortlich sein könnte (abgesehen vom Lektorat). Aber der Verlag überträgt die alleinige Verantwortung dafür an die festangestellten Kernredakteure — zusätzlich zu deren eigentlicher Tätigkeit als Autoren für drängende Spielhilfen. Das kann nicht funktionieren.

Was mich persönlich daran besonders stört ist, dass der Verlag nicht daran glaubt, durch eine Qualitätsinitiative seinerseits den Umsatz auf breiter Basis (also nicht nur durch mehr Produkte in kürzerer Zeit) zu erhöhen. Ich habe immer daran geglaubt, dass das möglich und nötig ist, und ein großer Teil meiner Arbeits-Motivation speiste sich aus diesem Glauben. Auf Mark und Katharina trifft das auch zu. Uns hat die erratische, nicht vorhersehbare Qualität von DSA-Produkten immer gestört. Aber der Verlag meint, es schlicht nicht nötig zu haben, diesen Zustand zu verbessern: DSA verkauft sich irgendwie immer gleich, also nimmt man, was man kriegen kann. Das hat unternehmerisch vielleicht seine Berechtigung, aber besonders klug kommt es mir nicht vor. Und für die Spielwelt DSA ist es meiner Meinung nach wirklich schlecht.

2) Das Ende des Metaplot?

Unser ‘Abgang’ bedeutet definitiv nicht das Ende des Metaplots in DSA. Solange es eine fortschreitende Geschichtsschreibung gibt, wird es auch Metaplot geben (beides hängt nicht kausal zusammen, sondern eher durch Tradition). Die Vielzahl und Unübersichtlichkeit der verschiedenen aventurischen Metaplots ist im Gegenteil eines der großen Probleme von DSA. Es herrscht ein enormer Wildwuchs, den die Redaktion noch nie im Griff hatte und der fast mit jeder Publikation undurchschaubarer wird. Es gibt faktisch kaum redaktionelle Betreuung von Metaplots, diese besteht fast ausschließlich in hauruck-artiger Schadensbegrenzung und kurzfristiger Reaktion auf drängende Ereignisse. Von langjähriger Vorausplanung und Koordination von Publikationen keine Spur. Das ist leider der Ist-Zustand der letzten 10 Jahre (von der Zeit davor weiß ich zu wenig, vermute aber, dass es da nicht anders war) und es gibt durchaus auch Redakteure, die damit völlig zufrieden sind und längerfristige Planungen explizit ablehnen. Hauptsächlich scheitert es aber an zeitlichen Ressourcen und — mal wieder — einer klaren Verständigung darüber, was man eigentlich will.

Mark, Katharina und ich hatten es uns zum Ziel gesetzt, den Wildwuchs zu analysieren, zu lichten und natürlich auch zu beschneiden. Wir wollten das im Wesentlichen ungeplant vor sich hin dümpelnde aventurische Geschehen planerisch gestalten.

Das Ziel wäre es zunächst mal gewesen, die Redaktion und den Verlag dazu zu befähigen, Metaplots als publikatorisches Werkzeug einzusetzen (gerüchteweise verkaufen sich Metaplot-relevante Produkte besser als andere, in jedem Fall ist aventurischer Metaplot aber objektiv ein mächtiges Mittel zur Kundenbindung und Identifikationsstiftung). Der nächste Schritt wäre gewesen, die Kundschaft besser einzubinden, zu informieren, Planungen und Intentionen offenzulegen, zu vermitteln, zu erklären.

Ich will überhaupt nicht sagen, dass wir drei die einzigen Redakteure waren, die so etwas für wünschenswert und dringend gehalten haben. Aber wir waren die einzigen, die konkret darauf hin gearbeitet haben. Leider kam der Bruch des Verlags mit Mark und unser folgender Ausstieg noch bevor wir der Redaktion und dem Verlag unsere Ziele und Visionen in systematischer Form darlegen konnten. Aber die Signale, die wir im Vorfeld erhalten haben, deuten nicht darauf hin, dass der Verlag überhaupt Interesse daran gehabt hätte, sich mit uns auseinanderzusetzen (obwohl wir von einzelnen Mitgliedern der Kernredaktion positive Rückmeldungen erhalten hatten).

Das Thema Metaplot ist jedenfalls sehr vielschichtig und komplex, da gäbe es noch viel Raum für Erklärungen und Diskussionen. Die verschiebe ich mal auf einen späteren Zeitpunkt.

Lieber Gruß, Tyll


Swafnir

24.08.2010, 14:50 Uhr ~ #24

Ich hoffe darauf das nicht zu spät gemerkt wird, dass sinkende Qualität wohl zum tod des Produktes DSA führen wird.

Wie kann ich Neukunden hinzugewinnen, wenn ich miese Qulaität biete. Wie kann ich Kunden halten denen langsam aber Sicher die Hau-Ruck und Vorschlaghammer Methoden der aventurischen Geschichtsschreibung auf die nerven gehen.

Meine Kaufbereitschaft für neue DSA Produkte ist über die Jahre gesunken, selbst meine Tradition den Boten zu kaufen habe ich seid über einem Jahr eingestellt.

Ich frage mich langsam ernsthaft ob ich nicht DSA einfach nur noch in einem bestimmten Aventurieschem Zeitabschnitt bespiele und mich vom rest der aventurischen Welt abspalte.

Nunja, eine schwarze Woche für DSA...

Swafnir/Casjen


Der Mönch

24.08.2010, 15:41 Uhr ~ #25

Lieber Tyll,

danke noch einmal für deinen Beitrag. Was er mir schmerzlich zeigt: du kannst trotz dieser emotionalen letzten Tage einen sprachlich hochwertigen und sachlichen Beitrag zur Diskussion leisten. Dies ist es, was sich in deiner (und auch Katharinas Arbeit) immer wiedergespiegelt hat und mir persönlich sehr fehlen wird.

Angesichts der Diskussion drüben bei Alveran freue ich jedoch um so mehr, dass ihr den Wolkenturm erst einmal stehen lassen wollt. :)

Zur Gesamtdiskussion kann ich momentan wenig beitragen, da meine Kenntnisse über DSA und die Arbeit der Redaktion zu rudimentär sind.

viele Grüße,

Benjamin


Belfionn

24.08.2010, 16:21 Uhr ~ #26

Hallo Katharina und Tyll,

ohne weiter auf Hintergründe und Diskussionen einzugehen wollte auch ich einfach nur kurz Danke sagen für euer bisheriges Engagement bei DSA, sowohl für die offiziellen Dinge wie Abenteuer und Spielhilfen als auch die vielen inoffiziellen Beiträge im Internet!

Viele Grüße, Belfionn


Kronosjian

29.08.2010, 22:01 Uhr ~ #27

Zitat

Das Thema Metaplot ist jedenfalls sehr vielschichtig und komplex, da gäbe es noch viel Raum für Erklärungen und Diskussionen. Die verschiebe ich mal auf einen späteren Zeitpunkt.

Darauf bin ich auf jeden Fall deutlich mehr gespannt, als auf sich im Kreis drehende Spekulationen und Vorwürfe in den DSA-Foren.

Auch wenn wir uns bezüglich unserer Vorstellungen wie Aventurien aussehen sollte oder was man dort spielen wollte vermutlich sehr uneinig sind, lese und höre ich Eure Ideen dazu immer gerne und sie bereichern auch meinen Horizont. Deine Ankündigung im Zitat oben flüstert mir ja dann auch beruhigend ein, dass wir auch weiterhin solche interessanten Sachen zu lesen bekommen, DSA-Redaktion hin oder her ;-)

Bei Deinen beiden letzten Thesen zu Kommerzialität und Metaplot neige ich zwar auch zur Zustimmung, doch spüre ich am eigenen Leib (und DSA-Regalmetern), dass Swafnir/Casjen nicht Unrecht hat. Ich würde dank regelmäßig passabel gefüllter Lohntüte und Interesse eigentlich zu den Alleskäufern gehören, doch habe ich seit 18 Monaten keine DSA-Publikation mehr gekauft. Der Sättigungsgrad mit Publikationen ist bei mir inzwischen so hoch und die Spielzeit so gering, dass ich nicht nur auf Abenteuer verzichte (das habe ich schon lange vorher getan), sondern inzwischen auch auf Spielhilfen.

Als jemand der sich beruflich mit Informationsmanagement auseinandersetzt ist DSA und Aventurien zwar der Inbegriff des dämonischen Informationschaos, aber ähnlich wie Du Eure Herangehensweise an den Metaplot skizzierst, wäre es absolut wünschenswert. Allein mir fehlt der Glaube, dass sich dieses konsequente Bündeln von Informationen und eine gezielte Informationspolitik wirklich durchsetzen ließe, denn das würde auch bedeuten, dass es an anderer Stelle für andere Spieler/Schreiber/Redakteure schmerzhafte Konsequenzen gäbe.

Ich hoffe nun aber dennoch das Beste sowohl für Euch, den Wolkenturm, Eure Aventurischen Projekte aber auch für unser liebes Hobby, dass sich die Wogen allmählich wieder glätten und wir wieder mehr Spaß daran finden.

Viele Grüße

Ulrich


Likedeeler

30.08.2010, 14:21 Uhr ~ #28

Zitat

Das Ziel wäre es zunächst mal gewesen, die Redaktion und den Verlag dazu zu befähigen, Metaplots als publikatorisches Werkzeug einzusetzen (gerüchteweise verkaufen sich Metaplot-relevante Produkte besser als andere, in jedem Fall ist aventurischer Metaplot aber objektiv ein mächtiges Mittel zur Kundenbindung und Identifikationsstiftung). Der nächste Schritt wäre gewesen, die Kundschaft besser einzubinden, zu informieren, Planungen und Intentionen offenzulegen, zu vermitteln, zu erklären.

Die Metaplots – die lebendige Geschichte Aventuriens – ist genau das, was in meinen Augen DSA von so vielen anderen Systemen abhebt und für mich auch die Faszination dieses Spiels ausmacht. Es ist nicht einfach nur eine statische – sondern eine dynamisch – Welt. Für den Verlag bietet das doch nur Vorteile: Veränderte Welt heißt immer auch, dass neu publiziert werden muss. Dass – wie Tyll geschrieben hat -eine Kundenbindung erreicht wird UND wenn dann tatsächlich die Kunden in die Entwicklung einbezogen werden, der Dynamik eine identifikationsstfitende Funktion zugeschrieben werden kann.

Umsomehr stellt es sich für mich als absolut nicht nachvollziehbar heraus, dass offentsichtlich kein Wert darauf gelegt wird Metaplots zu entmüllen und langfristige Planung zu betreiben.

Tyll, Mark, Katharina, Ragnar, Michelle unendlichen Dank für eure Arbeit und Mühe! Danke dass ihr an dieser lebendigen Welt mitgwirkt habt!


Katharina

31.08.2010, 11:05 Uhr ~ #29

Hallo zusammen!

Vielen Dank für die vielen netten Kommentare und euren Zuspruch.


Ein paar Anmerkungen noch:

Zitat von Likedeeler

Umsomehr stellt es sich für mich als absolut nicht nachvollziehbar heraus, dass offentsichtlich kein Wert darauf gelegt wird Metaplots zu entmüllen und langfristige Planung zu betreiben.

Einer der Gründe dafür ist, dass die Verlagsleitung selbst kaum Ahnung von DSA hat. Keiner der ‘nativen’ Ulisses-Mitarbeiter durchschaut auch nur annähernd die Komplexität des Systems — aber (das ist der Eindruck, den ich über die letzten Monate gewonnen habe) der Verlag glaubt auch nicht, dass es überhaupt nötig ist, das zu durchschauen. Produkte lassen sich auch so verkaufen, wenn man nur ein paar bezahlte Autoren bedruckte Seiten in ausreichender Menge produzieren lässt. Die Verlagsleitung selbst kann die Qualität und Sinnhaftigkeit dieser Produkte kaum einschätzen, muss das aber natürlich auch gar nicht, weil sie nicht daran glaubt, dass Qualität und Sinnhaftigkeit sich überhaupt als relevante Faktoren auf die Verkaufszahlen auswirken.

Das Tragische daran ist, dass der Verlag die Redaktion als inhaltliche Expertin für DSA und dessen enorme Komplexität nie ernst genommen und schon gar nicht für notwendig erachtet hat. Hier ist auch einfach umfangreiche Expertise geringgeschätzt und verschwendet worden, immer mit dem Hinweis, dass die Vorstellungen der Redaktion bezüglich Qualität, Kundenbindung, Außendarstellung, Käuferinteressen sowie Tragfähigkeit und Langfristigkeit des Systems etc. bloße persönliche Meinungen sind.

Mark hat hier (den Originalbeitrag finde ich nicht mehr) bereits was dazu geschrieben, wie die Vorstellungen der Verlagsleitung in Sachen redaktioneller Planungsarbeit aussehen:

Zitat von Mark Wachholz

Auf mein Nachhaken, dass es aber noch darüber hinaus Planungen geben muss (die bislang das Redaktionsteam unentgeltlich, aber mit Verantwortung übernommen hatte), hat er das erst nicht verstanden bzw. dass solche Planungen doch mit der Erstellung eines konkreten Produkts erfolgen können. Ob man eine größere Metaplot-Planung brauche, hielt er für „fraglich“ (Originalzitat) – eben weil es nicht sofort ein Produkt ergibt, aber nur an Produkten ist der Verlag interessiert.

Tatsächlich war meinem (heutigen) Eindruck nach die Redaktion bereits zu dem Zeitpunkt, als Tyll und ich ihr 2009 beigetreten sind, in den Augen des Verlages eine spleenige Ansammlung von Leuten mit bestenfalls exotischen, eher aber nervigen Vorstellungen und Spezialinteressen, die vor allem mit ihren in den Augen des Verlages irrelevanten Diskussionen über Konzepte, konsistente Planungen und Richtungsentscheidungen die Produktion von Produkten verzögerten.

Als ich den damaligen Verlagsleiter nach unserem Beitritt in die Redaktion gefragt habe, wie denn nun tatsächlich die Arbeit in der Redaktion aussähe und wie wir sinnvoll unseren Teil dazu beitragen könnten, habe ich dazu nie eine Antwort erhalten. Das Einzige, was uns dazu jemals gesagt wurde, war: “Hauptsache, ihr sorgt nicht für noch mehr Diskussionen.”

Und deshalb sind DSA-RedakteurInnen und -AutorInnen, die bei ihrer Arbeit auf Qualität und Sinnhaftigkeit Wert legen und sich in diesem Sinne entweder um entsprechende Arbeitsstrukturen bemühen und/oder die deshalb nicht das irre Schreibtempo der Kernteamler vorlegen können und wollen, letztlich für den Verlag ein Klotz am Bein.

Grüße, Katharina


Luciano

05.09.2010, 10:45 Uhr ~ #30

Wenn aus Deinen Anmerkungen, Katharina, eine Skizze der Konsequenzen Eures Weggangs herausgelesen werden kann, dann haben die Dunklen Zeiten gerade erst begonnen... ;-)

Ist denn in der Kernredaktion oder unter den sonstigen Schreiberlingen niemand, der dem Verlag sagt (bzw. sagen kann und ernst genommen wird), dass sie zwar tolle BWLer sein mögen, aber ihr Produkt nicht verstehen und ein Verzicht auf diese Diskussionen ihr Produkt abschmieren lassen wird?

Ich will niemandes Aussagen hier anzweifeln. Mich schockiert nur die offensichtliche Einfachheit des Konflikts Profit vs. Qualität. (Ich setze hier eine Vorliebe für Meta-Plot-Planung mit Qualität gleich, was natürlich nicht jeder Spieler genauso sehen wird, aber sicherlich einige...)

Ciao, Nicolas


Katharina

05.09.2010, 11:30 Uhr ~ #31

Zitat von Swafnir

Wie kann ich Neukunden hinzugewinnen, wenn ich miese Qulaität biete. Wie kann ich Kunden halten denen langsam aber Sicher die Hau-Ruck und Vorschlaghammer Methoden der aventurischen Geschichtsschreibung auf die nerven gehen.

Was die Neukunden angeht, vermute ich, dass hier der Verlag wenig Ambitionen hat, da nach allgemeiner Ansicht die Pen&Paper-Branche ja eh im unaufhaltsamen Niedergang begriffen ist und sich der Aufwand, den es bräuchte, um die (wahrgenommenermaßen) wenigen überhaupt noch vorhandenen Zielgruppenmitglieder anzuwerben, nicht lohnt im Vergleich zum geringen Mehrverkauf, der sich damit erzielen ließe.

Und was die Altkunden angeht, verlässt sich (ebenfalls wieder meiner Vermutung nach) Ulisses da vor allem auf die Alleskäufer, von denen es ja tatsächlich nicht zu wenig zu geben scheint. Dass irgendjemand wirklich noch die Tausenden von Seiten tatsächlich liest oder gar bespielt, die DSA jährlich ausspuckt, davon geht ja eh niemand mehr aus. Und wenn die Leute sich Produkte vor allem ins Regal stellen — wen interessiert, was drin steht?

Zitat von Luciano

Ist denn in der Kernredaktion oder unter den sonstigen Schreiberlingen niemand, der dem Verlag sagt (bzw. sagen kann und ernst genommen wird), dass sie zwar tolle BWLer sein mögen, aber ihr Produkt nicht verstehen und ein Verzicht auf diese Diskussionen ihr Produkt abschmieren lassen wird?

Ich weiß von Mark und Tyll, dass sie genau das versucht haben — mit welchem Erfolg, sieht man ja. Den Verlag schert es nicht, weil er nicht daran glaubt, dass diese Dinge relevant sind. Leute, die sowas glauben und dann auch noch sagen, sind für den Verlag Störenfriede — naive IdealistInnen, die DSA als “Herzensangelegenheit” (*iiiihhbääääh*) betrachten und keine Ahnung haben.

Zitat

Mich schockiert nur die offensichtliche Einfachheit des Konflikts Profit vs. Qualität. (Ich setze hier eine Vorliebe für Meta-Plot-Planung mit Qualität gleich, was natürlich nicht jeder Spieler genauso sehen wird, aber sicherlich einige...)

Vielleicht ist dieser Konflikt tatsächlich so einfach. Aber gerade dann kann die aktuelle Entwicklung kaum verwundern: Warum sollte man auf so einem dünnen, ständig vom Niedergang bedrohten Markt wie dem Pen&Paper-Rollenspiel auf Qualität wertlegen, wenn man stattdessen auch Profit haben kann? (Und wenn man die Lizenz für ein Produkt hat, das einen selber gar nicht besonders interessiert?)

Einige Verlagsvertreter würden dazu sagen: DSA kann nur weiterbestehen, wenn damit Profit gemacht wird, und dass DSA weiterbesteht, das wollt ihr doch alle, oder? Andere würden vielleicht sagen: Qualität ist erstens eh subjektiv und zweitens spiegelt sich die Meinung von irgendwelchen Forenusern, was Qualität ist, nicht in unseren Verkaufszahlen. Also ist das eh nur ein Scheingefecht, und Qualität ist eben, was sich verkauft, ganz einfach.

Noch ein paar generelle Anmerkungen:

  • Natürlich hat niemand was dagegen, wenn auch mal irgendwer einen guten Text abliefert. Aber Qualität ist schlicht kein Kriterium, das irgendeine Relevanz geschweige denn Priorität hat.

  • Der Verlag schert sich nicht die Bohne um die Meinungen der Spielerschaft. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass RedakteurInnen Verbesserungsvorschläge mit Verweis auf von ihnen wahrgenommene Spielerkritik geäußert haben und regelrecht verächtlich mit dem Hinweis abgekanzelt wurden, wie man denn ernsthaft auf die Forenschreihälse hören könne und dass das ja eh alles kein bisschen repräsentativ wäre und dass selbst vehemente Kritik in Foren sich in den Verkaufszahlen nicht niederschlägt.

  • Die “Herzensangelegenheit” oben mit dem leicht angewiderten Unterton ist ein Zitat eines Verlagsvertreters. Der Verlag betrachtet meiner Wahrnehmung nach alle, die aus Idealismus für DSA schreiben, als leicht suspekte HobbyfantastInnen, eigenwillige WeltenbastlerInnen, egozentrische Claim-AbsteckerInnen, beratungsresistente Mary-Sue-ErfinderInnen oder realitätsferne GeschichtenerzählerInnen — und übersieht dabei, dass erstens Idealismus das Einzige ist, was überhaupt Leute dazu bringt, für DSA zu schreiben, und zweitens, dass das schlicht Vorurteile sind, die mit der Verantwortung, die viele DSA-AutorInnen für ein gutes und spielbares DSA übernehmen wollen, nichts zu tun haben.


Anloén

06.09.2010, 16:07 Uhr ~ #32

Ich kann euren Schritt weg vom offiziellen Aventurien aufgrund eurer Aussagen sehr gut nachvollziehen und finde ihn auch richtig.

Nur welche Konsequenz soll man als Konsument ziehen. Für den Konsumenten gibt es nicht viel mehr Möglichkeiten seinen Unmut über Foren (am besten gleich das Ulisses-Forum) oder darauf zu verzichten weiterhin Abnehmer für DSA-Produkte zu sein. Es ist ja nicht so als hätte man wirklich direkten Einfluss auf den Verlag, der die Publikationen auf den Markt wirft. Und die Aussagen von Katharina bestärken diesen Eindruck nur noch mehr. Sicher ist es von Verlagsseite verständlich, dass man mit einer Reihe so viel Gewinn wie möglich erwirtschaften will. Doch wenn man auf die Wünsche der Kunden nicht eingeht, ist das auf Dauer wahrscheinlich wenig vorteilhaft für den Absatz.

“Leider” ist DSA allein schon durch sein Alter und seine Marktpräsenz fast ein Selbstläufer. Die Mehrheit der Konsumenten kaufen unkritisch alles und äußern höchstens in Foren ihren Unmut (welche ja ziemlich durchgehend vom Verlag ignoriert werden). Nur wenige werden die letzte Konsequenz ziehen und sich von DSA verabschieden. Nur so könnte man dem Verlag wirklich zum Nachdenken bringen. Doch welche Konsequenz zieht ein wirtschaftlich denkender Verlag ... er stößt die unprofitable Produktreihe ab. Damit schwirrt wieder die Lizenz für das “Das Schwarze Auge” am Markt herum. Übernimmt dann wieder der Rechteinhaber selbst? Kauft ein anderer Verlag die Lizenz? Will sich überhaupt sonst jemand um diese mittlerweile unprofitable Produktreihe annehmen?

Sicher gibt es gravierende Kritikpunkte am Vorgehen des Verlags, aber die gab es auch beim vorherigen Verleger. Ulisses macht nicht alles falsch. Die Verlagsentscheidung auf die Mitarbeit von Mark zu verzichten finde ich persönlich sehr traurig und euren Abgang ebenfalls. Nur DSA ist und bleibt ein Hobby für mich und es werden andere Autoren die Lücke schließen die ihr hinterlassen habt. Wobei jetzt aber offensichtlich wichtige Gesichtspunkte endgültig eine Absage bekommen haben (Stichwort Metaplot). In letzter Konsequenz ist wohl sogar besser wenn die “Redaktion” an einem Strang zieht und sich nicht dauernd in Grabenkämpfen verzettelt. Ich finde es nur schade, die fortschreitende Geschichte ist im Endeffekt der Grund warum ich DSA vielen anderen Systemen vorziehe.

Kurz und gut ... ich werde eure Arbeit vermissen, DSA wird jedoch weiterhin ein Hobby bleiben und ich werde auch weiterhin Publikationen kaufen.

sg, Anloén


Alron

06.09.2010, 21:46 Uhr ~ #33

Hallo Katharina und Tyll,

nach längerer Zeit hat es mich mal wieder in den Wolkenturm verschlagen, nur um zu lesen, dass ihr die DSA-Redaktion verlassen habt! Das finde ich sehr schade, aber ich kann eure Gründe nachvollziehen.

Ich habe zwar vor ein paar Jahren mit DSA aufgehört, bin aber immer wieder gerne hier vorbeigekommen, weil es hier so angenehm anders ist. Das umfasst die Themen, den Gesprächsstil, die netten Mitbesucher. Wenn ihr jetzt wieder mehr Zeit für den Turm habt, ist mir das nur recht! Auch wenn ich kein DSA mehr spiele, so habe ich mit meiner Gruppe Aventurien nicht aufgegeben, wie fern es auch von DSA4.1 und jedem Metaplot ist. Ich finde, dass man stimmungsvolle Beschreibungen und Plotideen immer gebrauchen kann. Das System ist da nicht so wichtig.

In diesem Sinne: verarbeitet den Trennungsschmerz und habt wieder Spaß an EUREM Aventurien. Tatsächlich braucht man das Offizielle gar nicht, nur nette Mitspieler.

Liebe Grüße

Rudi Alron


Sordon

07.09.2010, 10:38 Uhr ~ #34

Hallo zusammen, Hallo liebe Autoren

Es wurde schon viel gesagt, aber auch ich möchte mich bei euch bedanken für alles was ihr für Aventurien und uns Spieler getan und versucht habt.

Seit 18 Jahren spiele ich nun DSA und ich muss gestehen das ich im Moment eher Zweifel habe das Ich/unsere Gruppe weiterhin viel im offiziellen Aventurien bleiben werden.

Wie Luciano bereits sagte die Dunklen Zeiten kommen erst noch :( und wir befürchten sie werden lange anhalten.

Ich denke ihr werdet nicht auf der RATCON dieses Jahr sein oder ??? Es war immer eines der Highlights mal kein Verlagsoptimiertes Gelaber zu hören.

Ich hoffe ihr werdet bald wieder Spaß an der Arbeit ( welche auch immer ) finden und einen Verlag der solche Arbeit auch zu würdigen weiß!

So long

Tim

PS: Vieleicht wäre es das beste wenn DSA von Ulisses wegkommt ....... jaja ich weiß es kann auch dicker kommen........... aber das ist schon nicht leicht zu bewerkstelligen :P

Ich glaube ich muss wieder Lotto spielen ;)


Rayzeel

09.09.2010, 13:43 Uhr ~ #35

Auch von mir ein “Hallo zusammen”,

die “jüngsten” Entwicklungen bewegen mich nun, auch aus den passiven Mitleserschatten herauszutreten und meine Bestürzung über die Sachlage kundzutun. Meine Spielrunde und ich (zusammen ca. 100 Jahre DSA Erfahrung ;) ) haben stets die Entwicklungen in und um Aventurien aufmerksam verfolgt und es gab Jahre, in denen nicht eine Publikation erworben wurde, da die schon häufig angeklungene Problematik des “Dahintersteigens” einzelner Sachverhalte, Entwicklungen etc einen erheblichen Kosten- und Privatrecherche – Aufwand bedeutet hätten, die eine Zielgruppe von Vollzeit-Berufstätigen und (engagierten ;) ) Studenten nicht zu leisten imstande ist, möchte man DSA noch unter dem Begriff “Hobby” im Wortschatz führen.

Irgendwann war der “alte Kram” dann allerdings auch durchgespielt und es dürstete uns nach Inspiration und jeder von uns kaufte sich wieder ein, zwei Publikationen. Hier ein Roman, da eine RSH usw. Um ehrlich zu sein: schlimmer hätte der Sprung ins kalte Metaplot-Wasser nicht sein können: Wer ist das? Warum ist das so? Wo kommt der/die/das her? Was für Vorwissen von wann benötige ich, um die Tragweite von xy zu verstehen usw..

Lange Rede, kurzer Sinn: die Namen und vielmehr die Arbeit der jetzt “ausgeschiedenen” und besonders deiner Katharina (Mark W. will ich da auch nochmal besonders hervorheben, wir sind praktisch Fans ^^) waren uns bei dem Erhalt unseres Hobbies steter Wegweiser. Das Gefühl der “sicheren Investition” beim Kauf eines Artikels mit eurer Handschrift was Qualität und Nachvollziehbarkeit anbelangt und nicht zuletzt einen Mehrwert an Spaß, wird uns fehlen.

Umso ratloser stehe ich nun hier (virtuell) im/am Wolkenturm und harre der Dinge die da kommen mögen, denn bündig mit dem großen Knall waren wir fast wieder “up to date” soweit das eben möglich war.

So. Strich unter den historisch-emotionalen Part des Beitrags.

Ich habe mal die beliebteste Suchmaschine bemüht, um den Hergang nachzuverfolgen (da gibts auch auch eine Vielzahl an Quellen....) bzw. mir durch eure Kommentare ein Bild von der Sachlage zu machen. Unterm Strich klingt der gesamte Vorgang danach, dass an bestimmten Stellen persönliche Animositäten eine größere Rolle gespielt haben, als Weitblick, Liebe zum Produkt und klugem Unternehmertum, denn eins kommt mir bei jeder Argumentation zu kurz und wird für mein Dafürhalten unterschätzt: auch die vielzitierten Alleskäufer sind keine tumbe Masse, die nur den Rachen aufmacht und schluckt was da kommt. Ein Produkt und vor allen Dingen eine Marke wie DSA hält sich nur über Qualität profitabel, denn mit nichts anderem kann sie werben. Es gibt andere Systeme, die nur einen geringeren Mehrwert an Qualität bieten müssten, wenn die Agenda “möglichst viel rauskloppen” Bestand halten sollte – dann gehen die nächsten Konsumenten eben zu D&D, SR oder neuen Retorten. Wenn ich sehe mit welchem Selbstverständnis Ulisses beispielsweise auf der Spiel in Essen jedes Jahr auftritt, mit welchem demotivierten Gewäsch man als Interessierter abgespeist wird und wie wenig Herzblut vorfindet, wenn man nicht gerade an den/die richtige gerät, dann brauch sich kein Verlag dieser Welt darüber zu wundern, dass er weniger verkauft. Dieser propagierte “Niedergang” ist mMn hausgemacht, da alles irgendwann gesättigt ist, auch in einem “modernen” Medienzeitalter wie unserem und ganz ehrlich: ich habe mehrere Hobbies. Keins davon hat derart viele Anhänger wie DSA, die Käuferschaft ist also da.

Dass jetzt noch dem Corpus der Basis mal mindestens die Gliedmaßen abgeschlagen werden, ist ein Unding und ich habe ein absolutes Nullverständnis dafür, wenn qualitativ hochwertige und dazu noch freiwillige /Mehr/Arbeit nicht entsprechende Wertschätzung erfährt.

Tut mir nur einen Gefallen: investiert eure Energie weiter in die Qualität, die ihr bisher geliefert habt /egal wo/ und nicht in vorliegende Engstirnigkeit, das ist sie nicht Wert.


Faruk

10.09.2010, 20:05 Uhr ~ #36

Ich zitiere einen Kommentor von Ulricus Pechsieder:

“Offenbar ist Ulisses doch nur eine kleine Klitsche... Aber gerade dann ist man doch auf (quasi) ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen!”

Klar sind sie das. Laut § 267 Abs. 1 HGB sind die eine “kleine Kapitalgesellschaft” und wenn man sich im eBundesanzeiger (www.ebundesanzeiger.de) die letzte Jahresbilanz anschaut, sieht man, dass der Verlag keine atemberaubenden Gewinne erzielt. Ich kenne die (ehemaligen) Verträge der hier besprochenen (Ex-)Redakteure nicht, aber bei einer solchen Bilanz würde ich vermutlich auch erstmal alles rausschmeißen, was Geld kostet bzw. keine unmittelbaren Umsätze erzielt. Aus unternehmerischer Sicht völlig verständlich. Rollenspiel ist ein Nischenthema in Deutschland und für Verleger nicht wirklich interessant. Daran ändern auch starke Zugpferde wie DSA nichts.


Katharina

10.09.2010, 21:43 Uhr ~ #37

Es gibt keine Verträge, und RedakteurInnen werden für ihre Tätigkeit auch nicht bezahlt.


Daniel Eisenhardt

14.09.2010, 17:45 Uhr ~ #38

Liebe Katharina,

auch wenn das alle anderen schon getan haben, möchte ich auch mein Bedauern über euren Ausstieg zum Ausdruck bringen. Euer langjähriges Engagement, welches bei mir nur zu einem Bruchteil angekommen ist weil ich die letzten Jahre aus der Community eher abgetaucht war, hat die Spielwelt stimmig, lebendig und abwechslungsreich gehalten. Deine Kritik zum meinem Beitrag von Gänsekiel & Tastenschlag (damals noch unter anderem Namen, hab mittlerweile geheiratet *g*) war ein deutliches Zeichen für mich, dass hier jemand bemüht ist, an jeder Stelle mitzuhelfen wo sie gebraucht wird, und die trotz langjähriger Erfahrung ihr Gegenüber ernst nimmt. Ich stelle es mir natürlich komisch vor, dass jetzt plötzlich alle angerannt kommen und euch in höchsten Tönen loben, aber ich möchte trotzdem meinen Teil dazu beitragen dass ihr ein möglichst klares Bild davon bekommt wie sehr eure Arbeit geschätzt wurde.

Herzliche Grüße,

Daniel


Spekulatius

16.09.2010, 12:14 Uhr ~ #39

Die Lotsen sind von Bord!


Dennis

18.09.2010, 12:47 Uhr ~ #40

Hallo Katharina und Tyll,

ich wollte mich doch auch noch einreihen und DANKE sagen für eure Tätigkeit. Besonders eure Publikationen zu den Elfen gehören für mich zu den Highlights bei DSA. Das Vermächtnis der Völker ist unglaublich stimmungsvoll. Habs zwar noch nie spielen können – aber falls ihr mal einen Elfenroman schreiben solltet, bin ich der erste, der ihn kauft! :) Hoffe, dass ihr mit euren tollen Ideen der Fantasy-Szene weiter erhalten bleibt :-)

Viele Grüße,

Dennis


Dieses Geflüster ist zum Kommentieren geschlossen.

nach oben