Abenteuersituationen
Inhaltsverzeichnis
- Einstieg ins Abenteurerleben
- Motivationen
- Fremde Regionen
- Die Elfenlieder im Spiel
- Elfen als Akteure in offiziellen Abenteuern
Einstieg ins Abenteurerleben
Was führt eine Elfe von ihrer heimatlichen Sippe weg in die Menschenwelt und hin zu einer "Heldengruppe"? Wir werden hier zunächst einige mögliche Situationen beschreiben, die die Elfe von ihrer Sippe wegführen könnten – wenn sie sich dann allein in fremden Gegenden oder der Menschenwelt zurechtfinden muß, ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der "Heldenzusammenführung".
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Der Elf unternimmt allein eine Reise, die ihn von der Sippe fortführt. Vielleicht sucht ein Baumsprecher nach einem neuen Platz für die Sippe, die von Goldsuchern von ihrer alten Heimat am Oblomon vertrieben wird.
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Allein und fern von der Sippe stößt ihm irgendetwas zu, das ihn in das spätere Abenteuer bzw. zu seinen künftigen menschlichen (und oder zwergischen) Gefährtinnen führt.
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Er verliebt sich z.B. in eine Elfe oder gar in eine Menschenfrau, die in einer Stadt wie Gerasim oder Donnerbach lebt.
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Vielleicht trifft er gar auf seine zukünftigen Gefährten – also die anderen Helden – und kann ihnen mit seinen besonderen Fähigkeiten – BALSAM, Auskennen in Wald und Flur, mit den ortsansässigen Tieren, etc. – helfen und läßt sich, einmal neugierig geworden, in ein Abenteuer hineinziehen, das ihn immer weiter von Zuhause wegbringt.
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Eine Zaubersängerin wird vielleicht einen vielgerühmten Meister in einer anderen Sippe aufsuchen wollen, um bei ihm in die Lehre zu gehen. Vielleicht ist der fremden Sippe etwas zugestoßen – Goldgräber, Drachen, unheimliches spurloses Verschwinden... – für dessen Aufklärung die Elfe sich nun verantwortlich fühlt.
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Eine Sippenwächterin ist sowieso "Berufs wegen" besonders gefährdet. Vielleicht kommt sie lange nicht von einer bestimmten Aufgabe zurück und die Sippe hält sie für tot oder verloren.
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Vielleicht schlägt die Mission einer Tiersprecherin fehl oder sie stört während der "Verhandlungen" mit den im Umkreis lebenden Tieren irgendwelche Pelztierjäger oder Menschen, die der Meinung sind, dass z.B. Wölfe gefährliche und fiese Biester sind, die am besten ausgerottet gehören. Die Elfe schlägt sich folglich in diesem Konflikt auf die Seite der Wölfe, hilft entweder, deren Revier zu verteidigen, was nicht nur sie, sondern vielleicht sogar die ganze Sippe in Konflikt mit den Menschen bringt; oder ein neues Revier zu suchen...
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Stimmungsvoll, aber rollenspielerisch sehr schwierig wäre ein Elf, der zu lange in ADLERSCHWINGE-Gestalt verbracht hat: Er könnte nackt irgendwo in Aventurien 'aufwachen' (nachdem er Tage und Wochen in Gestalt seines Seelentiers verbracht hat), seine Erinnerung an sein Elfenleben ist nur noch verschwommen und er hat viel mehr die Instinkte des entsprechenden Tieres. Er findet sich in seiner Wildnisumgebung zuächst ganz gut zurecht, aber irgenwann dämmert ihm, dass dies nicht sein normaler Zustand war – er sieht ein Menschendorf und kann damit nichts anfangen, aber es ist der Anfang für die Suche nach sich selbst. Mit der Zeit kommt auch seine Erinnerung wieder – aber er ist halt in einer Gegend, die er nicht kennt; und frag mal eine Bäuerin nach dem Weg zur Au-wo-Regenbogen-wurzeln! In den Gefährten könnte er Freunde gewinnen, die ihm aber auch nicht groß helfen können und so begleitet er sie eine Weile und wächst mit ihnen zusammen. Dabei ist aber ganz wichtig, dass der Elf nicht irgendwann wieder 'normal' ist: Die Tierinstinkte brechen immer wieder durch und er kann kaum kontrollieren, wann er sich in sein Seelentier verwandelt – im Kampf wird er sich je nach Tier gebaren und lieber Klauen und Zähne einsetzen, als eine Waffe, insgesamt sind im Werkzeuge eher fremd geworden. Rationales Denken ist für ihn eine Anstrengung, sein ganzes Temperament wird von tierhaften Wahrnehmungen und Instinkten bestimmt...
Wir denken, dass eine Elfe, die wie auch immer zu einer Abenteurerin wird, sicher immer schon eine gewisse Veranlagung hat, etwas, das sie von den anderen Elfen ihrer Sippe unterscheidet, eine besondere Neugier auf das Fremde, ein besonderes Verantwortungsbewußtsein für Schwächere – auch wenn es sich dabei um Menschen handelt; der Drang, mehr als nur den unmittelbaren Lebensraum der Sippe kennenzulernen. Die Sippe wird diese Veranlagung auf jeden Fall registrieren und die Elfe deshalb vielleicht auch einfach ziehen lassen, wenn sie tatsächlich einmal in die Unbillen der weiten Welt gerät, denn sie wissen, dass sie sie nicht halten können; sie wissen auch, dass sie das Potential zum badoc in sich trägt, und dass es vielleicht besser für die Sippe ist, sie ziehen zu lassen. Meiner Auffassung nach ist es das (vielleicht noch tief in ihr ruhende Potential für das) badoc, das eine Elfe dazu bringt, in die Welt hinauszuziehen, die weite Welt kennenzulernen etc. – letztlich etwas ganz Ähnliches wie der Drang, der die Menschen – die ja per se tief badoc sind – dazu bringt, Länder zu erforschen und zu erobern oder Dinge, Lebewesen, andere Menschen, andere Formen von Magie etc. zu erforschen und darüber Theorien zu entwerfen; oder der sie dazu bringt, Macht über Dinge oder andere Lebewesen erlangen zu wollen, Reichtum anzuhäufen, Ruhm zu erlangen etc.
Es wäre deshalb auch denkbar, dass die Abwesenheit der Elfe von der Sippe zunächst nur eine kurze Episode darstellt, während der die Elfe zum ersten Mal ihre heimatlichen Gefilde verläßt und einen Zipfel der großen, weiten Welt erhascht. Dadurch bricht sich aber jener innere geheime Wesenzug Bahn, und die Sippe beschließt bei der Rückkehr der Elfe, ihn nicht wieder aufnehmen zu können – natürlich ist das schmerzhaft für beide Seiten, aber die elfische Geschichte lehrt, wie gefährlich das badoc und alle seine Ausprägungen sind. Die derart sippenlose Elfe muß sich nun allein ihren Weg durch die unbekannte Welt suchen – aber vielleich hat sie ja durch die vergangenen Erlebnisse auch das Gefühl bekommen, dass da draußen etwas auf sie wartet... Eine solche Elfe wird sich ihr ganzes Leben bewußt sein, dass ihr das ursprüngliche Leben der Elfen für immer verwehrt ist, aber als Elfe glaubt sie auch daran, dass ihr ein Schicksal bestimmt ist, dass ihrem Leben ein Sinn innewohnt, den es zu erfüllen gilt, und diesen Sinn, dieses Schicksal wird sie wohl ihr ganzes weiteres Leben lang suchen (und der Spielleiter sollte ihr gewähren, dies auch irgendwann zu finden – und es sollte schon einer Elfe würdig sein – denn die Suche nach diesem Sinn mag es auch sein, die die Elfe vor dem endgültigen badoc bewahrt).
Es ist also durchaus stimmig, dass der Elfen-Charakter irgendwie besonders ist, dass ihn etwas auszeichnet, was er mit niemand anderem in der Sippe teilt (oder vielleicht hatte er einen guten Freund, der ganz ähnlich empfand, dieser ist umgekommen, und nun will der Elf bei der Sippe nicht mehr recht froh werden...) – aber wer kann schon absehen, ob dies ein Segen oder vielleicht doch eher eine Art Fluch ist.
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Vielleicht hat der Elf merkwürdige Träume, und man hält ihn zuerst für irgendwie auserwählt, für einen Seher oder etwas Ähnliches, aber dann führen ihn die Träume ganz anders, als er sich das vorgestellt hat, weg von seiner Heimat und seiner Sippe, in düstere Geschehnisse oder dunkle, dräuende Gefahren...
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Vielleicht begegnet er seinen zukünftigen Gefährten, und bald zeigt sich, dass der Elf mit seinen Träumen, ohne es zu wissen den Schlüssel besitzt für die Suche oder die Queste der Gefährten, in die der Elf dann unweigerlich hineingezogen wird... (so etwas kann man natürlich dem Spielleiter nur vorschlagen, der dann die Details ausarbeiten müßte).
Desweiteren gilt zu bedenken, dass es Auelfen nicht nur in den Auen an der Nivesensteppe oder am Oblomon gibt, sondern auch in Albernia (meist in den hinteren Aulandschaften), in Weiden (vor allem in Donnerbach) und in Almada (an den Yaquir-Auen und ihren Zuflüssen Valquir, Bosquir, Brigella – sogar in Punin selbst). Solche Sippen leben zwar nicht in direkter Nachbarschaft mit Menschen, aber sie treiben in jedem Fall regen Handel mit ihnen, um ihr von menschlichen Siedlungen begrenztes Jagdgebiet auszugleichen. Auch Stadtelfen gibt es in Donnerbach und in Punin gar nicht wenige! Eine Elfe aus einer solch stark durchsiedelten Gegend ist natürlich viel leichter ins Abenteurerleben hineinzuführen, aber sie wird auch "weniger elfisch" sein...
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In Punin und Donnerbach werden Elfen sicherlich gern angeworben/gebeten (ihre Entlohnung ist natürlich kein Geld, sondern ein schöner Bogen oder so), Expeditionen von Militär, Rondrianern oder Magiern als Kundschafterinnen zu begleiten, was ein angemesser Abenteuereinstieg für eine Sippenwächterin oder Sippenjägerin wäre.
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Vielleicht suchen ja auch gerade ihre zukünftigen Gefährten nach einer Ortskundigen und kommen mit der Elfe zunächst ins Geschäft, bevor diese dann (gute) Gründe hat, bei ihnen zu bleiben.
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Andererseits könnte sich ein Menschenmann in die Elfe verlieben und ihr einen Liebestrunk von einer Hexe unterjubeln lassen, der sie in eine unnatürliche Abhängigkeit stürzt – vielleicht sind es gerade die Helden, die von der Sippe der Elfe gebeten werden, sie daraus zu befreien, und aus Dankbarkeit will sie ihnen wiederum eine Weile helfen.
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Eine schöne Geschichte für einen (etwas vermenschlichten) Stadtelfen wäre es auch, dass er sich einfach aus Sehnsucht nach seinen elfischen Wurzeln aufmacht, "echte Elfen" zu suchen und in die Salamandersteine reist – wo er natürlich wegen seiner ungenügenden Wildniserfahrung (oder weil er sich mit einigen Menschen – den Gefährten – zusammengetan hat, die sicher nicht ins Gebirge gelassen werden) zunächst nicht weiterkommt.
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Vielleicht kommt er dabei auch gar nicht erst soweit, sondern wird auf dem abenteuerlichen Weg abgelenkt und gerät in ein Abenteuer hinein – und die Salamandersteine bleiben für sein gesamtes Heldenleben lang ein Traum, den er sich erfüllen will.
Motivationen
»Nun, da ich das Leiden der Menschen gesehen habe, kann ich nicht mehr unberührt bleiben von ihrem Tun und Sein. Nun werde ich mich nie mehr ganz von der Menschenwelt abwenden können, nun werde ich nie mehr ganz unbeteiligt an ihren Geschicken und Geschehnissen sein können. Am Anfang habe ich in Greifenfurt noch geglaubt, dass ich jederzeit gehen könnte. Die Zeiten waren schlimm genug – aber ich bin dennoch geblieben, bis zum Ende.«
—die Halbelfe Elleara Schatten-in-Blättern
»Eine Elfensippe würde eine der ihren, die badoc geworden ist, verbannen – sie würde nicht versuchen, sie zu retten (weil sie glauben würde, dass das unmöglich ist). Ich weiß, dass ich von deinem Leiden nicht unberührt bleiben kann, Menschenfreundin – das ist schwer, weil auch ich nicht glaube, dich retten zu können – ich kann ja vielleicht nicht einmal mich selbst retten, hier, in eurer Welt. Auch die Sippe bleibt nicht unberührt und vollzieht die Verbannung dennoch. Doch so, wie ich euch damals retten mußte und so, wie ich nicht aus der belagerten Stadt fortgehen konnte, werde ich dich nicht – grausam behandeln, wie du vielleicht sagen würdest.«
—die Halbelfe Adailana Regenlied zu ihrer Menschengefährtin Jylani von Bjaldorn nach einem Wiedersehen
»Ja, du hast recht, meine iama, die Menschen sind dumm; sie sind hochmütig, obwohl ihr Horizont so eng ist und die Zeiten, die sie schauen, nur ein kurzer Moment in der Geschichte unseres Volkes. Du sagst, wir haben keinen Anteil an ihren Geschicken und keine Verantwortung gegenüber den Schrecknissen, die ihnen widerfahren? Ja, das stimmt alles. Sie hören nie auf uns, wenn wir versuchen, ihnen zu sagen, was wir in unserer langen und schmerzhaften Geschichte gelernt haben. Aber können sie etwas dafür, dass sie so sind, wie sie sind? Sie sind Andersgeborene, und wenn wir nicht werden wie sie, werden wir sie niemals ganz kennen und verstehen – und auch nicht verurteilen können!
Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ich glaube, dass es immer ein paar von uns geben muß, die die Geschehnisse der Menschenwelt kennen, die ihre Geschicke und Gefahren teilen. Ich weiß um die Gefahr, meine iama, und wähle diesen Weg dennoch. Ich glaube, dass es nur eine Welt gibt, die wir alle teilen. Ich glaube, dass wir uns nicht völlig in unserer eigenen Welt von den Menschen abschließen können...«
—Faelindel Zieht-mit-den-Schwalben
»Der letzte Sommer ist leise geworden. Es läutet der Schritt eines fremden Schatten durch die silberne Nacht. Er zieht friedlos herauf, in steinernem Schweigen und bemächtigt sich der Menschenwelt. Doch auch in den ewigen Wäldern und immergrünen Steppen wird das Herbstlaub im Schrecken versinken. Das weiß ich, der die Sommersneige in sich trägt. Madaya winkt zur Sternenreise durch die Nacht, stemmen wir uns der schwarzen Stille entgegen. Eorla!«
—Elorion Schneeschwinge über die Entscheidung mit seinen (zukünftigen) Gefährten gemeinsam durch die Welt zu ziehen
Alle Zitate des Firnelfen Elorion Schneeschwinge stammen von Uwe Hönigschmied und sind von diesem mit freundlicher Genehmigung für diese Spielhilfe bereitgestellt.
Fremde Regionen
»Ich hatte schon viel mitgemacht, mit meinen menschlichen und zwergischen Gefährten, aber was wir zusammen und insbesondere ich mit ihnen auf der Insel Maraskan erlebten, das werdet ihr euch nicht vorstellen können. dass es heiß ist, wenn man nach Süden kommt, das hatte ich mittlerweile leidlich erfahren, aber dort war es nicht nur heiß, es war auch noch so feucht, dass ich manchmal ein Gefühl hatte, als würde man Wasser statt Luft atmen. In den ersten Tagen war mir dies so ungewohnt und unangenehm, dass meine Sinne wie eingehüllt waren. Ich hatte fast das Gefühl, ich würde blind und taub zugleich werden – zum ersten Mal ahnte ich, wie es meinen Gefährten wohl ihr ganzes Leben lang gehen mochte.
Und als ich des abends stumm und still vor unserer zutiefst unheimlich anmutenden Mahlzeit sitzenblieb, ohne nur einen Finger zu rühren, da fragte mich Jalinde, die Magierin, warum ich nicht wie sonst 'meinen Zauber auf das Essen wirken' würde. Ich hatte nicht einmal daran gedacht, das zu tun, was ich so oft und so selbstverständlich schon getan hatte. Ich fühlte mich wie abgeschnitten vom mandra.
Noch schlimmer wurde es, als wir dann den Ort verließen, wo wir mit dem Schiff angekommen waren. Die ganze Insel ist wohl überwuchert von Pflanzen, aber es war alles so fremd, dass ich kein Wort fand, das dies hätte beschreiben wollen. Meine Gefährten nannten jene Umgebung einen 'Wald', aber ich habe bis heute nicht verstanden, wie sie darauf gekommen sind. Und nicht nur das, sie schienen außerdem ganz selbstverständlich zu erwarten, dass ich unsere kleine Gruppe hier führen würde, da ich das ja auch sonst in der 'Wildnis' immer getan hatte, wie sie sagten. Sie schienen gar nicht zu bemerken, dass dieser sogenannte 'Wald' allem was ich vorher gekannt hatte so fremd war, dass ich mich dort verlorener fühlte als jemals zuvor in meinem Leben.
Es machte mir Angst, die seltsamen Pflanzen, die Tiere, die ich nicht kannte (ja, bei manchen wußte ich nicht einmal zu sagen, was von beidem es überhaupt sein mochte). Ich versuchte, die Pflanzen um mich herum nicht berühren zu müssen – und das ist noch schlimmer, als wenn überhaupt keine Pflanzen da sind, so wie in den Menschenstädten. Das schlimmste aber waren die fremden Stimmen um mich herum, die meinen Gefährten wohl höchstens ab und zu einen leisen Schauer über den Rückten jagten – in mich aber drangen sie ein, durch jede Pore meines Leibes, durch all meine Sinne, und sie hielten mich in beständiger Panik und Benommenheit zugleich.«
—Faelindel Zieht-mit-den-Schwalben über seine Erlebnisse in Maraskan
»Du bist in der ganzen Welt zuhause – und das macht mir Angst.«
—Adailana Regenlied zu ihrer Gefährtin Jylani von Bjaldorn
Die Elfenlieder im Spiel
Da die Elfenlieder noch stärker das elfische Wesen symbolisieren als die elfischen Zauber, sollte solch ein Elfenlied ...
1) ... eine schöne rollenspielerische Ausgestaltung erfahren.
Dazu sollte man vor allem die SpielerInnen selber anhalten: Sie sollten beschreiben, nach welchen Kriterien ihre elfischen Charaktere sich den Ort aussuchen, an dem sie sich auf ein Elfenlied einstimmen wollen; wie diese Einstimmung konkret aussieht, an welchen Bildern und Gefühlen sie sich dabei zur Besinnung orientieren und wie sie des weiteren in der Melodie die Wirkung beschreiben, die sie erzielen möchten.
Als MeisterIn sollte man darauf achten, welche Begründung für das Wirken des Liedes in dieser Beschreibung zu Tage tritt. Anhand dessen kann man dann entscheiden, ob das Wirken des Liedes tatsächlich elfischen Prinzipien entspricht oder nicht. Ist das nicht (in ausreichendem Maße) der Fall, kann man beschreiben, wie der Elf eine Disharmonie in seiner Melodie spürt, wie er die Linien des Liedes nicht mehr zu einem harmonischen Ganzen zusammenführen kann, wie ihm die alte Melodie immer weiter entgleitet.
Wer sehr stark mit Regeln und Würfeln spielt, sollte die Probe für das Gelingen des Liedes nach dieser Sequenz würfeln – und sie entsprechend dem Ergebnis mit Aufschlägen belegen. Wer sich von seinem elfischen Selbst entfernt, dem gelingt eben das Spielen eines Elfenliedes kaum noch.
2) ... stärker als die meisten anderen elfischen Fähigkeiten von einer Abkehr des Elfen von seinen Ursprüngen, also seinem "Elf-Sein" betroffen sein.
Damit kann man auch ganz unabhängig von der konkreten Situation und abhängig vom sonstigen Verhalten des Elfen (oder Menschen mit spitzen Ohren, je nachdem), die Probe auf das Elfenlied von vornherein extrem erschweren (oder in der rollenspielerischen Ausgestaltung: von vornherein beschreiben, dass der Elf sich auf die Melodie nicht mehr einstimmen kann).
Es ist nützlich, eine Beschreibung solch eines Scheiterns eines Elfenliedes vor dem Spielen vorzubereiten. Um die Beschreibung noch deutlicher zu machen, könnte man gewisse prägnante unelfische Verhaltensweisen des betreffenden Elfen mit einbauen, z.B. (hier am Beispiel des Friedenliedes):
»Noch einmal versuchst du, dich an das erste Mal zu erinnern, in dem Du durch das Salasandra der Sippe Teil des Friedensliedes wurdest. Du versuchst, dieses Gefühl des tiefen, ungebrochenen, unhinterfragten Friedens in Deinem Innern wieder zu erwecken und dabei die Töne dieser alten und doch jedes Mal wieder neu entstehenden Melodie zu finden – aber immer wieder brechen andere Gedanken und Gefühle ein: ...«
Hier ist jetzt Platz für alle "unelfischen" Taten und Gedanken des Spielerelfen, die es ihm unmöglich machen, sich gänzlich auf das Lied einzustimmen. Dies kann man auch sehr metaphorisch beschreiben: Wie z.B. eine Person (oder auch ein Tier), der der Elf (auf unelfische Weise wohl gemerkt) übel mitgespielt hat, ihm das zarte Geflecht der entstehenden Melodie geradezu aus den Händen reißt oder mit einer Geste zerstört wie "ein filigranes, im Licht der Morgensonne voller Tautropfen glitzerndes Spinnennetz" usw.
Eine solche Metaphorik kann auch dem Spieler oder der Spielerin selber noch einmal deutlich machen, dass ein Elfenlied kein "Werkzeug" zum Herbeiführen eines gewünschten Zustandes ist, dessen sich der Elf nach Belieben bedienen kann – sondern dass es ein geheimnisvolles Wirken abhängig vom Zustand des Elfen selbst, seinen Gedanken und Gefühlen ist, das sich letztlich jeder Verfügungsgewalt entzieht.
Elfen als Aktuere in offiziellen Abenteuern
Elfen in der Borbarad-Kampagne
»Ich streue meine Botschaften aus wie Samen in den Wind – wer weiß, wo sie Wurzeln schlagen, wer weiß, welche Pflanze aus ihnen einst erblühen wird? Meine Botschaften sind wie Samen – möge der Wind sie zu fruchtbarer Erde tragen.«
—Melyan Hoffnungsstern, Zweite Gezeichnete
»Ich habe manchmal das Gefühl, ich würde wie das Bild über das Land fliegen. Ich habe das Gefühl, ich würde die Zeiten schauen...
Dort, hinter jenen Bergen, liegt Tie-Shianna, die Gleißende Stadt, die erste und größte Stadt der Hohen Elfen. Ich kann die Heere des Rattenkindes sehen, die sich bis zum Horizont erstrecken, vor den Mauern, unaufhaltsam. Ich sehe, wie sie die Stadt berennen, immer wieder, immer wieder. Noch weiter, dahinter, liegt das Bannland, das dem ersten Volk Pyr Dhaokras gehört, und wohin wir nicht gehen.
Ich sehe Drachen fliegen, nach Norden. Dort, über dem Zwergengebirge, fällt Drachenfeuer vom Himmel. Ich sehe, weit, weit im Norden, wo es nichts als ewiges Eis gibt, eine Felsnadel hoch aufragen: der Himmelsturm. Ich sehe jene der Hohen Elfen fliehen, sich ins unzugängliche, ewige Eis zurückziehen, weit entfernt von allen blühenden Gärten und prachtvollen Gemächern, aus denen das Volk der grinfeya wurde. Ich sehe einen firn'ay'draza, einen Drachen weiß wie Schnee und schön wie ein Rauhreif-Morgen über die Heimat der grinfeya dahinfliegen – mit einem Herzen voller Haß und Gier und Hochmut.
Ich sehe die Salamandersteine, unsere alte, erste Heimat. Ich sehe Madayas Tal, wo unsere Träume Wirklichkeit wurden und die Elfen in die Welt traten. Wenn ich auf jene Berge blicke, sehe ich blinde Flecke, sehe ich, daß mein Volk begonnen hat, sich zurückzuziehen, vor der Wirklichkeit, begonnen hat, diese Welt wieder verlassen.
Irgendwo dort im Osten, weit hinter dem Raschtulswall und hinter dem Wasser liegt Maraskan. Ich sehe, wie sich von aus Hände ausstrecken, die schwarze Klauen tragen und von denen Blut tropft. Die sich ausstrecken, um das Land zu ergreifen, zu packen in unzerbrechlichem Griff. Ich sehe, wie die Hand die siebenstrahlige Dämonenkrone wirft, um der Welt eine unheilbare Wunde zu schlagen...«
—Melyan Hoffnungsstern, Zweite Gezeichnete
»Ich träume einen Alptraum. Ein Schlachtfeld, endlos, kein Gras, kein Baum, Geruch nach Blut, aber auch nach viel schrecklicheren Dingen – der Gestank von Außerweltwesen, der mir fast die Sinne raubt. Ich sehe wie durch einen Schleier die toten Körper der Gefährtinnen da liegen, ich beuge mich nieder und schließe ihre Augenlider. Dann wende ich mich ab und gehe, langsam, weiter und weiter, bis ich zu einem Wald komme, der krank und tot ist. Weiter und weiter. Irgendwann bleibe ich stehen, kauere mich auf dem Boden zusammen und verwandele mich, lasse meinen alten Körper für immer zurück... Um in Gestalt des letzten, was von dem Bild noch geblieben ist, die Heimat zu suchen und das Vergessen...«
—Melyan Hoffnungsstern, Zweite Gezeichnete
