Ein Rundgang durch den Wolkenturm
Daniel Jödemann hat einen wunderbaren Gebäudeplan von Windfeders Wolkenturm gezeichnet, begleitet mich doch auf einem kleinen, bebilderten Rundgang!
Wer den etwas mühsamen Weg von Donnerbach hinauf in die äußersten Ausläufer des sagenumwobenen Salamanderstein-Gebirges nimmt, hoch zu Ross oder auf ›Schusters Rappen‹ Schluchten und Wälder durchquert (obwohl manche Gäste Magister Windfeders auch auf dem Rücken von Dschinnen oder durch den Limbus angereist kommen), wird gegen Ende seines Weges von einem hoch und schlank aufragenden Turm willkommen geheißen.

Aus blaugrauem Stein erbaut, hebt sich Windfeders Wolkenturm kaum gegen den Himmel und die Bergkuppen ab, denen er elegant entgegen strebt. Auf einem kleinen, grasbewachsenen und waldumstandenen Plateau gelegen, wird der Wolkenturm ständig von zugigen Winden umtobt, die pfeifend und klirrend ihren Spaß mit den Windspielen des Magisters haben.
Dieser sieht Gäste bereits von weitem herankommen, wenn er auf dem flachen Turmdach oder einem der kleinen Balkone sitzt – oder wenn der Wind ihm ihre Ankunft flüstert ...

Erdgeschoss
Magister Windfeders altersträges Maultier Wolkenflug grast meist auf dem Rasen vor der Treppe zur Eingangstür und kümmert sich wenig um Ankömmlinge. Wenn man nicht schon auf den Stufen empfangen wird, kann man neben der Eichentüre einen kleinen Seilzug betätigen, worauf im Innern ein silbernes Klingen und Bimmeln von kleinen Glöckchen durch das Treppenhaus schallt.
In den Kopf des Torbogens ist ein Willkommens-Spruch graviert, mit dem das Wohlwollen Tsas (für neue Ideen und kreative Einfälle) und Hesindes (für Weisheit und Besonnenheit) erbeten wird:
Möge die Junge Göttin den wachsenden Baum Eures Geistes
zahlreiche Frucht tragen lassen!
Möge die Allwissende Herrin Euch mit der Weisheit segnen,
nur die reifen Früchte zu ernten!
In der Empfangshalle nimmt der Magister seinen Gästen Mantel und Schuhe ab: Vorgewärmte Filz-Pantoffeln und zusätzlich warme Wollsocken stehen bereit (denn im Alter hat Meister Windfeder solche Bequemlichkeiten selbst zu schätzen gelernt). Zum Empfang gehören auch einige einführende Worte, die den Gästen die Orientierung im Turm erleichtern und sie auffordern, sich ganz heimisch zu fühlen.
Gepäckstücke und – bei Bedarf – auch Zauberstäbe werden von Windfeders Zauberlehrlingen entgegen genommen, wovon zu jeder Zeit ein oder zwei in der Scholarenstube wohnen. Sie sind auch mit warmem Wasser in einer Silberschüssel zu Stelle, um den Staub der Reise abzuwaschen.

Erstes Obergeschoss
Ein erster Willkommenstrunk wird im Teestübchen gereicht: Der frisch gebrühte Aufguss Tulamiden-Gold, in Porzellan-Tassen aus Unau serviert und mit etwas Kardamom und Zucker verfeinert, vertreibt die Erschöpfung und belebt den Geist, so dass sich hier schnell angeregte Gespräche entspinnen.
Ist es hingegen schon Abend, bereitet Magister Windfeder je nach Bedarf einen starken Kaffee zu (den er einmal im Jahr über Kontakte nach Gareth und Belhanka aus dem tiefen Süden bezieht), dickflüssig, mit scharfen Gewürzen aufgebrüht und mit einem Schuss Ziegenmilch-Sahne, um bis tief in die Nacht hinein philosophieren zu können, oder er öffnet eine Amphore Raschtulswaller, den schweren Fasarer Rotwein, der in den Schlaf lullt und rahjasüße Träume beschert.
Dazu stehen neben den Sesseln, Diwanen, Teppichen und Sitzkissen allerlei Knabbereien gegen den kleinen Reisehunger griffbereit: Nüsse und getrocknete Früchte, Mandelkekse und salziges Gebäck, während aus der Küche weiter oben im Turm schon Düfte heruntersteigen, die von einer baldigen Mahlzeit für die Gäste künden.
Versiegen einmal die Gespräche oder dauern die Zubereitungen in der Küche etwas länger, macht Magister Windfeder gern eine Führung durch die Wolkenturm-Galerien (spätestens tut er das aber nach dem Essen!), wo zahlreiche bekannte und befreundete Künstlerinnen und Künstler aus ganz Aventurien ihre Werke ausstellen.

Zweites Obergeschoss
Wenn die Scholaren (oder die Küchenmeisterin selbst, eine Flammendschinni namens Hazidi) zu Tisch rufen, steigt man gemeinsam das zugige Treppenhaus hinauf, an den Gemächern des Magisters vorbei (in deren wohlausgestattetem Baderaum Gäste sich aber jederzeit frisch machen können), in den Speisesaal.

Drittes Obergeschoss
Hier ist genug Platz für ein Dutzend Gäste, und die hohen Fenster durchfluten das Esszimmer mit dem goldenen Licht der Abendsonne. (Ist er allein im Turm, genießt Windfeder diese Stunde des Tages am liebsten auf dem großzügigen Balkon mit einem Pfeifchen.)
Ob Hazidi nun feurig-scharfe, süß-saure, aromatisch-milde oder fruchtig-schwere Gerichte zubereitet hat, im Wolkenturm wird aufgrund der Tsa-Verehrung des Magisters ohne Fleisch gekocht, aber dafür mit vielen Wald- und Wild-Kräutern, exotischem Gemüse und Salaten, die in Windfeders Garten und in den Wäldern der sala mandra wachsen.

Viertes Obergeschoss
Gäste, die länger bleiben, werden in bequemen Gästestuben untergebracht. Aus dem vierten Stockwerk des Turms hat man einen großartigen Ausblick auf die Täler und Gipfel der Umgebung.

Fünftes Obergeschoss
Wer den Wolkenturm besucht, um zu studieren und Schriften abzuschreiben, findet eine angenehm entspannte akademische Umgebung vor. Die Studierstube ist geräumig, bietet Platz zum Arbeiten, Lesen und Disputieren, einen Balkon für frische Luft (das räumt die Gedanken auf, schwört der Magister) und sogar eine große Schiefertafel (von einem Erzdschinne geschaffen) für größere Skizzen und kollegiale Besprechungen.
Die Bibliothek ist wohl-sortiert und beinhaltet neben eigenen Werken Windfeders und seines Collega Travian Norfold zahlreiche Schriften, die auswärtige Magier, Gelehrte und Abenteurer dem Wolkenturm gestiftet haben.
Hier lagern die eigentlichen Schätze des Wolkenturms: Die Abenteuer-Geschichten und Ergebnisse von Schriftsteller-Turneyen aus unterschiedlichster Feder, Norfolds und Windfeders Hinweise zur Freizeit-Gestaltung und Reiseberichte aus dem Land der Ersten Sonne. Und nicht zuletzt die Traktate zum Elfenvolk und ihrer Zauberkunst.

Sechstes Obergeschoss
Im Laboratorium gleich unter dem Dach probiert der Magister neue Zaubersprüche aus und schreibt an seinen Traktaten. Hier steht neben Windfeders Werkbank auch die Schmiede des Collega Zhadrakas, und vermittels des Pentagramms im Boden zaubern Norfold und Windfeder ihr ETHERISCHES GEFLÜSTER in den Limbus.
In diesem Pentagramm manifestiert sich übrigens bisweilen auch ein befreundeter Viergehörnter aus der Domäne Iribaars. Dieser nimmt dann meist den Kamin als direkten Weg ins Teestübchen, da der Luftdschinn im Treppenhaus allergisch auf den Quitslinga reagiert – und sein Stürmen bringt das Porzellan doch so leicht in Gefahr ...

Turmdach
Auf dem Dach des Wolkenturms lässt sich eine herrliche Aussicht genießen, doch zieht man sich besser warm an, denn der Wind weht hier kühl und schnappt frech nach Magierroben und Hüten. Im Observatorium wird der Sternenhimmel zum Greifen nah (Magister Norfold als Hellseher nutzt diese Einrichtung sehr gern), und auf der Terasse mit dem Hexagramm führt Meister Windfeder Elementarbeschwörungen durch, aber auch Meditationen oder rituelle Tänze und Gesänge zu Ehren der Lüfte und Wolken.
Der Wolkenturm-Plan im Ganzen
Als Architekt und Karten-Zeichner für Fanpro hat Daniel Jödemann Katharina und mir diesen wunderschönen Gebäudeplan von Windfeders Wolkenturm – gerahmt und auf hellblauem Passpartout – zum Geschenk anlässlich Umzug und Geburtstag gemacht.
Das Bild hängt jetzt an einem würdigen Platz neben meinem Schreibtisch. Vielen Dank, Daniel!
