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Kurze Geschichte der elfischen Magie

Laut dem Lexikon des Schwarzen Auges kamen die ersten Lichtelfen vor etwa 10.000 Jahren in die Welt, wahrscheinlich wirkten sie ihre Magie zunächst vollständig freizauberisch oder durch Zauberträume und später durch mächtige Zauberlieder, deren Texte und Melodien die Welt nahezu beliebig formen konnten.

Als die ersten Elfen immer mehr aus dem Licht traten und sich als sogenannte Hochelfen über die Welt verbreiteten und große Städte gründeten, entwickelten die Elfen natürlich eine Wissenschaft und damit auch eine Magietheorie. Die komplexen und schwierigen Lieder der Alten wurden vereinfacht und in kürzere Formen mit singuläreren Effekten gebracht - eine Spruchzauberei entstand, die gegenüber der heutigen immer noch stark freizauberisch geprägt, gegenüber den Zauberliedern jedoch wohl ein Rückschritt war.

Ein Rückschritt umsomehr, als die Spruchzauberei der Hochelfen gewaltige Macht faßbar und verfügbar gemacht hatte - ein Bewußtsein für Macht entwickelte sich und verdrängte das Bewußtsein für Harmonie, welches der Grundstein aller Liedzauberei ist. Macht ohne Harmonie aber mündete in jenen Hochmut, für den die Hohen Elfen bei ihren Nachfahren bekannt sind, und durch den die Pracht des Elfenreiches schließlich fiel.

Die direktesten Abkömmlinge der Hochelfen sind die Auelfen, die sich nach dem Fall der Elfenstädte zum größten Teil über die Ebenen und Täler verstreuten, zu einem kleineren Teil aber auch wieder in die Salamandersteine zurückkehrten, um bei ihren Brüdern und Schwestern Zuflucht zu suchen: den Waldelfen. Jene hatten der Expansion des Volkes skeptisch gegenübergestanden und ihre Verwandten vor Machtgier und Hochmut zu warnen gewußt. Sie waren in den Salamandersteinen geblieben und hatten eine zurückgezogene und naturverbundene Lebensweise beibehalten, die mit der der Lichtelfen jedoch schon kaum mehr etwas gemein hatte. Als vor etwa 5.000 Jahren das himmelhohe Ometheon als erste der Hohen Städte den Ränken des Namenlosen zum Opfer fiel, blieben die Überlebenden zudem als Firnelfen im höchsten Norden und verloren den Kontakt zu den anderen Völkern zunächst gänzlich.

Die Entwicklung der Magie läßt sich vielleicht bei Firn- und Auelfen ähnlich charakterisieren als die Abkehr von hochelfischer Zaubermacht hin zu einem älteren Ideal von Harmonie und astraler Verbundenheit mit der Umgebung. Die Zauberkunst der Lichtelfen konnte aber nicht zurückgewonnen werden - ihr großes Erbe sind die Elfenlieder, die jedoch kanonisiert werden mußten und für die heutigen Elfen ein großer Schatz sind! Die Kunst des Liedermachens aber ist verlorengegangen und nur noch wenigen Meistern bekannt (z.B. Golodion Seemond).

Im Falle der Waldelfen kann man vielleicht sagen, daß ihre ältere (gleichsam 'prä-hochelfische') Form der Magie zu einem gewissen Teil verwässert wurde, als sie die Heimkehrer aus den Tälern bei sich aufnahmen. Aber auch die schiere Dauer, die ihr Leben in den Wäldern der Salamandersteine währte, führte zu einer fortschreitenden Entrückung aus dem Licht in die Verführung der Wirklichkeit hinein. Das Ergebnis dieser Entwicklung ist im Wesentlichen dasselbe, wie im Au- und Firnvolk - obwohl man sicherlich im Herzen der Salamandersteine noch Elfen findet, die sich von jeder gängigen Beschreibung der Elfenvölker unterscheiden!

Der Hauptteil des magischen Erbes der heutigen Elfen also ist hochelfische Spruchmagie, die stark an den Lebensraum des jeweiligen Volkes angepaßt ist. Hinter dieser Anpassung steht das tiefe Bedürfnis nach einer engen und natürlichen Verbindung zum Lebensraum, wie sie den Hochelfen abhanden gekommen war - und in der intensiven Durchdringung der elfischen Zauberei mit dem Bedürfnis nach Harmonie liegt das Neue, das die heutige Elfenmagie von der Magie der Hochelfen unterscheidet.

Darüber hinaus ist dies auch der vielleicht größte Unterschied zwischen elfischer und gildenmagischer Spruchmagie, welchem deshalb noch ein eigener Absatz gebührt:

Letztere ging aus dem Kontakt der ersten güldenländischen Siedler mit den Auelfen des späteren Albernias hervor - die Siedler lernten offenbar sehr schnell von den Elfen und vereinnahmten ihre Zauberweise und Teile ihres Spruchguts. Zumindest oberflächlich. Denn die menschlichen Zauberer befanden sich in etwa derselben Position wie die ersten hochelfischen Expansionisten und Forscher: sie wollten die Welt erkunden, wollten Wissen sammeln, wollten das Land nutzbar machen. Und über den Hochmut der Hochelfen hinaus wollten sie auch die Völker beherrschen, denen sie auf ihren Reisen begegneten...

Dieses Verhältnis der Menschen zur Welt hat sich aus der Sicht der Elfen wohl bis heute nicht geändert - weswegen ihnen auch das Wesen der elfischen Zauberei noch verborgen geblieben ist. Sie können die Sehnsucht nach Harmonie, die der Kern des elfischen Zauberns ist, nicht begreifen - denn: die Elfenmagie ist aus der Erinnerung an den Fall eines ganzen Volkes entstanden! Und somit fundamental verschieden von der menschlichen Gildenmagie, die sich einen solchen Fall einfach nicht vorzustellen vermag.

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