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Das Ende der Blutigen Sieben (1)

Etherisches Geflüster Nr. 79

#1. Katharina (19-02-10, 10:12)

Ort und Zeit: Liebliches Feld im Rahja 1019 BF während des Abenteuers Rohals Versprechen

Spoilerwarnung

Der folgende Text enthält Meisterinformationen zur Borbarad-Kampagne, insbesondere (aber nicht nur) zum Abenteuer Rohals Versprechen.

Die Heldinnen und Helden
  • Ranari von Olport: Elementarmagierin und Erste Gezeichnete

  • Melyan Hoffnungsstern: Halbelfe und Zweite Gezeichnete

  • Jule Farlandring vom Rhodenstein: Rondra-Geweihte und Dritte Gezeichnete

  • Carnavas von Sichelgrund: Golgarit und Vierter Gezeichneter

Die Blutigen Sieben
  • Jadestern: aranische Schwertgesellin und überzeugte Borbaradianerin, ließ sich während des Abenteuers Goldene Blüten auf blauem Grund vom Geliebten der Ersten Gezeichneten als Geleitschutz anwerben, als dieser mit Verstärkung zu den Gezeichneten in Kurkum eilte, von da an Mitglied der Gruppe um die Gezeichneten, wurde kurz vor dem Fall von Ysilia enttarnt und konnte fliehen; Anführerin der Blutigen Sieben mit dem Plan, die Zeichen zu erobern

  • Xarfaidon Giovarez: Alanfaner Schiffsmagier und Xarfai-Paktierer, begegnete den Gezeichneten zum ersten Mal in Kurkum und abermals in der Schlacht von Eslamsbrück und ist seitdem der Hassfeind der Gruppe

  • Granwayn Firunspott: Nagrach-Paktiererin, Arngrimms Jagdmeisterin auf Burg Talbruck in Mendena

  • Gritta Gengris: Agrimoth-Paktiererin, schmiedete die drei dämonischen Schwerter, heute Trägerin von Athai-naq

  • Stahe vom Feldbruch: ehemaliger Golgariter-Abt, dessen Kloster Grauenhorst in Rauffenberg bei Eslamsbrück während der borbardianischen Eroberung gefallen war und der aus Gram mit Thargunitoth paktierte, als er erfuhr, dass Carnavas seine frühere Geliebte Ravendoza (ebenfalls eine Golgaritin) auf eine Mission in die Gorische Wüste geschickt hatte, wo sie (nach Stahes Informationsstand) umgekommen war; nun von Rachegelüsten getrieben

  • Torben Dergeler: bei uns Amazeroth-Paktierer, wäre gern Anführer der Blutigen Sieben

  • Anta ya Venoma: Antimagierin und Leibmagierin von Lutisana von Perricum, stand Lutisana in Kurkum und Eslamsbrück zur Seite

Weitere Personen
  • Finduilas Saliniome: in Riva ausgebildete Magierin, alte Bekannte von Ranari, war mit den Gezeichneten in Dragenfeld (Alptraum ohne Ende), fühlte sich später wegen des Misstrauens der Zweiten Gezeichneten aufgrund von Finduilas' intriganter und geheimnistuerischer Art von den Gezeichneten verraten, war lange Zeit untergetaucht und begegnete den Gezeichneten erst in Punin wieder, mittlerweile Lolgramoth-Paktiererin, möchte sich den Gezeichneten dennoch wieder anschließen

  • Isora von Grangor: Hochgeweihte des Rahja-Tempels von Grangor, Zeugin der Ereignisse in Die Kanäle von Grangor, wird von den Gezeichneten deswegen auf dem Rahja-Fest in Belhanka aufgesucht

  • Gwenhalyn Garwayn: Bewegungsmagierin aus Belhanka, Bekannte der Zweiten und Dritten Gezeichneten aus der Avesloge, erledigte für diese einige Botengänge

  • Juri Silbermantel: alte Freundin und Abenteuergefährtin der Ersten Gezeichneten, führt mittlerweile das Gasthaus ‘Silbermantel’ in Kuslik

  • Ravendoza: Golgaritin, frühere Geliebte von Stahe vom Feldbruch, heute loyale Untergeben von Carnavas, führte in seinem Auftrag eine Schwinge in die Gorische Wüste und kehrte zusammen mit Tarlisin von Borbra als Einzige zurück

Hintergrund: Rohals Versprechen

Die Jagd der Gezeichneten auf die Blutigen Sieben findet während des Abenteuers Rohals Versprechen aus dem Band Invasion der Verdammten statt. Auf dem Allaventurischen Konvent in Punin wurde der Rohalsstein zusammengetragen und damit Rohal der Weise in die Welt zurückgerufen. Dieser übergab den Gezeichneten das Fünfte Zeichen: die Rohalskappe und beauftragte sie, ‘Borbarads Zeit’ zu suchen. Nach Recherchen und Überlegungen auf dem Konvent zu Zeitmanipulationen und einem Eingreifen Satinavs führt ihr Weg die Gezeichneten nun zunächst nach Grangor, wo gerüchteweise vor 15 Jahren eine Zeitmanipulation stattgefunden haben soll.

Auf der Jagd

Während der Untersuchungen der Morde und Splitterdiebstähle auf dem Allaventurischen Konvent in Punin ließen sich unsere Gezeichneten auch zwei BLICK DURCH FREMDE AUGEN-Artefakte anfertigen (mit dem zweiten Sinn Gehör), um den Aufenthaltsort von zwei Verdächtigen zu überprüfen. Eins der beiden Artefakte verwendeten sie für Jadestern und bekamen folgende Szene zu sehen und zu hören:

Im Innenhof eines typisch almadanischen Weinguts. Direkt vor dem ‘eigenen’ Gesichtsfeld fährt ein gezacktes Flammenschwert durch die Luft und wird spielerisch durch einen aranischen Säbel zur Seite gelenkt. Als Gegenüber des Kampfes ist Xarfaidon zu erkennen. Im Hintergrund sitzt Granwayn, die die Gezeichneten durch Erzählungen eines Gefährten von einer Kommandoaktion in Burg Talbruck kennen, auf einer steinernen Bank in der Nachmittagssonne und schaut dem Übungsgefecht zu.

Nachdem Jadestern ihre Überlegenheit als Kämpferin deutlich gemacht hat und das Gefecht abbricht, fragt Granwayn: “Und wann beginnt die Jagd?”

Jadestern: “Bald. Bald.”

Granwayn: “Im Gegensatz zu ihnen sind wir schon zu siebt.”

Nun war natürlich die Aufregung unter den Gezeichneten groß: Klar war sofort, dass Jadestern offenbar eine Gruppe hochrangiger z.T. persönlicher Feinde um sich gesammelt hatte, um Jagd auf uns zu machen. Klar war auch — wegen der Maximalreichweite des Zaubers —, dass diese Gruppe sich im Umkreis von 100 Meilen aufhalten musste. Natürlich begannen sofort die Spekulationen: Wer sind die anderen vier? Sind sie von Borbarad beauftragt oder arbeiten sie auf eigene Rechnung? Und wann werden sie zuschlagen?

Wir hatten durchaus Respekt vor dieser Gruppe, denn wir kannten Jadesterns Fähigkeiten als Kämpferin, der unter den Gezeichneten nur Jule gewachsen ist, und wir erinnerten uns auch lebhaft an unsere Zusammentreffen mit Xarfaidon, dem es immer wieder gelungen war, uns eins auf die Mütze zu geben (besonders beliebt dabei sein IGNISPHAERO).

Exkurs: Der BLICK DURCH FREMDE AUGEN

Der BLICK DURCH FREMDE AUGEN gehört ja tendenziell zu jenen Zaubern, vor denen SpielleiterInnen gerne ein bisschen Angst haben, weil er den HeldInnen ja zu viel verraten könnte. Die kleine Szene hier zeigt schön, wie man den Zauber sehr gewinnbringend einsetzen, sprich: durch ihn Spannung erzeugen kann. Wichtig ist, dass das Gesehene so konkret ist, dass die SpielerInnen sich nicht betrogen fühlen, sondern einen echten Informationsgewinn haben, dabei aber so viel offen lässt, dass daraus neue Fragen entstehen.

Ins Liebliche Feld

Als die Gezeichneten später ins Liebliche Feld reisten, um nach dem Kind des Satinav zu suchen, war ihnen bewusst, dass sie sich nun auch für ihre sieben Feinde angreifbar machten. Auf der Reise mit dabei war Finduilas Saliniome, die sich inzwischen den Gezeichneten (wieder) angeschlossen hatte und von diesen vorerst mitgenommen wurde, weil die Zweite Gezeichnete ihren früheren (unabsichtlichen) Verrat wiedergutmachen wollte — selbst angesichts der Tatsache, dass Finduilas mittlerweile erkennbar Lolgramoth-Paktiererin war und schon allein in dieser Funktion eine große Gefahr für die Gemeinschaft der Gezeichneten darstellte. Dennoch war die Hoffnung noch nicht aufgegeben, ihr vielleicht helfen zu können.

Auf der Reise nach Grangor bemerkten sie mehrmals sie verfolgende bzw. beobachtende Dämonen, die zum Teil von Ranaris Dschinnen bekämpft wurden. Einen Angriff gab es jedoch vorerst nicht.

Das Rahja-Fest

Doch der Angriff sollte kommen, und er gestaltete sich anders als erwartet: Den Gezeichneten war es auf dem Rahja-Fest in Belhanka, auf dem auf der Rahja-Insel am Ende der siebentätigen Feierlichkeiten der oder die neue Geliebte der Göttin gewählt werden sollte, endlich gelungen, mit der Grangorer Hochgeweihten Isora allein (in einem Boot draußen auf dem ins Meer mündenden Fluss) über die Ereignisse in Grangor zu sprechen. Kaum war man wieder angelegt und hatte sich von Isora verabschiedet, brachen Tumulte los, verursacht von (wie sich später zeigte) magisch noch furchterregender gemachten Untoten und Sensenmännern, die nach den unbewaffneten Festbesuchern hieben und Panik verbreiteten.

Während die Gezeichneten versuchten, Ordnung ins Chaos zu bringen, machte sich die Befürchtung breit, dass der Überfall in erster Linie Isora und ihren Informationen gelten mochte. Und tatsächlich: Isora hatte seit dem Gespräch niemand mehr gesehen. Sofort ging es an die Spurensuche, und tatsächlich fand man am Ufer eine Stelle, an der offenbar ein Boot angelandet war. Vom anderen Ufer aus konnten die Spuren mit einigem Einfallsreichtum (Ranari flog in TIERGESTALT die Gegend ab, Melyan fragte eine streunende Katze nach den Flüchtigen) noch weiter bis zur Landstraße nach Kuslik verfolgt werden, dann aber verloren sie sich.

Nun brach — während die Gruppe spät in der Nacht mitten auf der Landstraße stand — eine Diskussion los: Sollte man Isora verlorengeben? (Wir nahmen alle an, dass sie vermutlich ohnehin bereits gefoltert und getötet worden war.) Schließlich waren wir nicht verantwortlich für jedes Leben, das wir durch unsere schiere Existenz als Feinde Borbarads gefährdeten, so argumentierte in erster Linie die Erste Gezeichnete.

Jule und Melyan hielten dagegen: Wenn wir diese Verantwortung leugnen, dann verraten wir gleichzeitig auch die Ideale, für die wir kämpfen. Was ist unser Kampf noch wert, wenn wir ihn mit dem Blut unserer Verbündeten bezahlen?

Ranari darauf: In diesen Zeiten müssen alle bezahlen — die einen mit ihrem Blut (ob nun in Tobrien an der Front oder hier im Lieblichen Feld), die anderen, indem sie in Furcht leben oder um ihre Freunde und Verwandten trauern. Wollen wir für all dieses Leid die Verantwortung übernehmen? Wir sind im Krieg, und der Krieg verlangt Opfer.

Melyan: Dennoch, da wo wir die Verantwortung übernehmen können, da müssen wir es auch tun. Ich kann nicht vor mir selbst rechtfertigen, es nicht wenigstens versucht zu haben. Außerdem: Wer wird sich noch mit uns verbünden, wenn wir dem Schicksal derer, die uns helfen, die uns unter Gefahr ihres eigenen Lebens Informationen geben oder uns nur beherbergen, gleichgültig gegenüberstehen?

Spannend wurde diese Szene auch deshalb, weil wir als SpielerInnen durch eine Off-Szene erfuhren, dass die Blutigen Sieben uns währenddessen ganz aus Nähe beobachteten: Mit der Einleitung “zu dieser Zeit ganz in der Nähe” bekamen wir beschrieben, dass Jadestern und Anta ya Venoma hinter einer nahegelegenen Düne lagen und die Gezeichneten beobachteten.

Anta: “Was machen sie da? Und wie haben sie uns überhaupt bis hierher verfolgen können?”

Jadestern: “Ich habe euch doch gesagt, dass sie gut sind.”

Auch wenn unsere HeldInnen davon nichts mitbekamen, bewirkte diese kleine Szene bei uns SpielerInnen sofort, die erfolglose Spurensuche nicht mehr als kompletten Misserfolg zu empfinden, denn uns war nun klar: Wir hatten sie bereits viel weiter verfolgt als von ihnen erwartet. Wir waren so gut, dass wir sie fast gekriegt hätten. Und wir sind in der Achtung unserer Feinde gestiegen. (Das ist meiner Erfahrung ein sehr mächtiges Mittel, um SpielerInnen zufriedenzustellen: Indem man ihnen zeigt, dass ihre Feinde Respekt vor ihnen haben und die HeldInnen die Erwartungen der Feinde übertreffen.)

Exkurs: Off-Scenes

Solche Zwischensequenzen, die im Off, also abseits der Wahrnehmung der Charaktere, stattfinden, appellieren gezielt an die Gefühle und Bedürfnisse der SpielerInnen (und um die gehts ja schließlich) und nicht der Charaktere. Gerade um Erlebnisse positiv zu wenden, die in den Augen der HeldInnen Enttäuschungen sind, objektiv aber durchaus Erfolge (vor allem der SpielerInnen mit ihren kreativen Ideen) darstellen, bieten sich solche Off-Szenen an. (Und gerade die Borbarad-Kampagne spart ja nicht an Rückschlägen und Niederlagen, die dank der HeldInnen trotzdem nicht so schlimm ausfallen, wie sie es sonst getan hätten.)

Das Problem im Spiel ist ja oftmals, dass die SpielerInnen normalerweise keine Möglichkeit haben zu erfahren, welche alternativen Konsequenzen unterschiedliche Handlungen und Entscheidungen hervorgebracht hätten. Selten hat man einen eindeutigen, ungetrübten Erfolg oder einen klar sich aus den Fehlern der HeldInnen ergebenden Misserfolg, meist liegen die Ergebnisse von Heldenhandlungen irgendwo dazwischen — und sind natürlich stark abhängig davon, welchen Rahmen das Abenteuer für Erfolgsmöglichkeiten überhaupt vorsieht.

Mit Off-Szenen kann man die SpielerInnen unabhängig von dieser Rahmenvorgabe für Erfolge belohnen — z.B. indem diese die SpielerInnen hinter die Kulissen der Gegnerschaft schauen lassen, wo man in Wahrheit nicht so siegessicher, einmütig, abgeklärt und über weltliche Belange erhaben ist wie es nach außen hin scheint. Aber auch, wenn die SpielerInnen ihre Gegner nicht ernst nehmen, kann man Off-Szenen einsetzen — und darin z.B. zeigen, dass der Feind doch mehr Ressourcen hat, als man dachte, gerade einen unvermuteten Verbündeten anwirbt oder sonst einen fiesen Plan ausheckt.

Achja, der BLICK DURCH FREMDE AUGEN von oben ist natürlich auch nichts anderes als eine (hier ausnahmsweise auch den HeldInnen zugängliche) Off-Szene.

Isoras Ende

Zuletzt entschieden die Gezeichneten, dass man zumindest versuchen will, Isora zu finden — egal ob sie nun bereits tot ist oder nicht. Weil wir gleichzeitig eine Falle befürchteten (was bot sich für die Blutigen Sieben mehr an, als nicht nur Isoras wichtige Informationen über das Kind des Satinav zu erhalten, sondern mit ihr als Köder den Gezeichneten gleichzeitig einen Hinterhalt zu legen?), schickte Ranari einen Dschinn auf die Suche. Dieser sollte Isora finden und falls möglich zu uns bringen.

Auch hier gabs wieder eine Off-Szene: Xarfaidon und Granwayn sitzen auf Karakils und warten im Limbus auf das Auftauchen der Gezeichneten, während Isoras Leichnam scheinbar allein in einer Höhle in der Steilküste zurückgelassen wurde. Als nur der Dschinn auftaucht und Isora fortträgt, schauen sich beide nur wütend an und gesellen sich zu den anderen, die oben auf der Steilküste warten. Als Xarfaidon nur den Kopf schüttelt, sagt Jadestern: “Dann lasst uns aufbrechen. Es gibt viel zu tun.”

Die Gezeichneten hatten sich zwischendurch noch über etwas anderes verständigt: Der Feind hatte mit dem Angriff auf das Rahja-Fest offenbar zwei Ziele verfolgt: Zum einen die Informationen zu bekommen, die Isora den Gezeichneten über das Kind des Satinav gegeben hatte, zum anderen aber auch, die Gezeichneten selbst in Verruf zu bringen, das Gefühl zu erzeugen, dass überall dort, wo die Gezeichneten auftauchen, Grauen und Tod auf dem Fuße folgen.

Zusammen mit dieser Erkenntnis war für die Gezeichneten schließlich mit dem Anblick des von Foltermalen entstellten Leibs der Geweihten die Konsequenz war: Wir lassen uns nicht weiter jagen, wir schlagen zurück.

Der Plan

Klar war sehr bald, dass wir unsere Feinde in einen Hinterhalt locken mussten, um ihre zahlenmäßige Überlegenheit und die Gefahr durch ihre diversen Paktiererfähigkeiten halbwegs auszugleichen. Schließlich enstand folgender waghalsiger Plan: Ranari sollte sich zum Schein mit den anderen Gezeichneten zerstreiten und zu den Blutigen Sieben überlaufen. Sie würde ihnen anbieten, mit ihnen zusammen die anderen drei bereits offenbarten Zeichen zu erobern, um schließlich gemeinsam als neue Gezeichnete Borbarad zu dienen. Um uns die Zeichen abzunehmen, würden die Blutigen Sieben den Gezeichneten einen Hinterhalt legen — geplant war natürlich, dass dies in Wahrheit unser Hinterhalt ist und Ranari im entscheidenden Augenblick wieder die Seiten wechselt.

Und allen war klar, dass das ein sowohl filmreifer als auch sehr gefährlicher Plan war. Auf der Heldenebene wurde sehr viel über die Gefahr diskutiert, die für Ranari damit einhergehen würde: Was würden die Blutigen Sieben verlangen um zu prüfen, ob Ranari wirklich die Wahrheit sagt? Was würde es für ihr Seelenheil bedeuten, diese Rolle überzeugend zu spielen? Könnte es nicht sein, dass wir den Sieg über unsere Feinde mit der Korrumpierung der Ersten Gezeichneten bezahlten?

Auf der Spielerebene war vor allem die Frage: Wollen wir die doch recht große Gefahr für unsere Charaktere wirklich eingehen? Oder spielen wir lieber weiter nach dem Drehbuch des Meisters und sind damit auf der sicheren Seite? Letztlich gab gerade diese eigentlich irgendwie paradoxe Überlegung den Ausschlag: Wenn wir den Plan umsetzen, dann bekommen wir mehrere wirklich tolle, filmreife Szenen, die zudem auf unsere Spielerinitiative zurückgehen. Sollen wir uns davon wirklich durch den Glauben abhalten lassen, dass unsere Charaktere weniger in Gefahr sind, wenn wir möglichst wenig Eigeninitiative zeigen?

(So ist es ja — zumindest unbewusst — beim Spielen von Kauf- oder anderen vorbereiteten Abenteuern paradoxerweise tatsächlich oft: Solange die SpielerInnen im Rahmen der Vorgaben bleiben, liegt die Verantwortung, die Charaktere möglichst nicht sterben zu lassen, beim Spielleiter. Wenn die SpielerInnen aber ‘ausbrechen’, liegt die Verantwortung für das Wohl ihrer Charaktere bei ihnen selbst ...)

Die Gezeichneten zerstreiten sich

Gesagt, getan. Die Gruppe nutzte direkt am nächsten Tag die Möglichkeit, sich in Belhanka in aller Öffentlichkeit zu streiten, wobei die Erste Gezeichnete für alle Umstehenden sichtbar im Dissenz mit dem Rest der Gruppe stand. Was hatten wir Spaß! Gerade zwischen dem aggressiv-rachsüchtigen Wesen der Ersten und der harmoniebedürftig-vermittelnden Zweiten Gezeichneten gab es ohnehin schon öfters Streitigkeiten — jetzt konnten wir genau das mal so richtig ausleben :-).

Noch in Belhanka nahmen wir Kontakt mit unserer alten Bekannten Gwenhalyn Garwayn auf, die uns sowohl als Liebfelderin und Ortskundige als auch als Bewegungsmagierin helfen sollte. Sie stellte nun für uns in jenem vom Wurm von Onjaro verwüsteten Praioskloster in Onjaro Nachforschungen nach dem Kind an und nahm dabei auch die Ruine des Klosters genauer in Augenschein. Bei ihrer Rückkehr wurde schnell klar, dass dies ein gut geeigneter Ort für einen Hinterhalt war, zumal er glaubhaft in Zusammenhang mit unseren Nachforschungen gebracht werden konnte. Und Gwen, ihres Zeichens Meisterin des TRANSVERSALIS, kannte nun bereits alle strategisch wichtigen Orte der Ruine ...

Als Nächstes war Ranari an der Reihe: Sie ließ sich nachts von einem Dschinn zur Klosterruine tragen und beschwor dort aus einer halbzerstörten Statue eines Greifen einen Elementaren Meister des Erzes, den sie tief in den Grundfesten des Klosters band, so dass seine Präsenz mit magischer Analyse vom Hof aus nicht wahrgenommen werden konnte. Sein Auftrag natürlich: Vernichte auf mein Zeichen unsere Feinde, die mit den Feinden der Schöpfung im Bunde sind und die bald hier auftauchen werden.

Nun reiste die Gruppe als Nächstes nach Kuslik — angeblich, um dort weitere Nachforschungen zum Kind Satinavs anzustellen, hauptsächlich aber, um sich an den dortigen Akademien einige Artefakte fertigen zu lassen. In Kuslik kam es schließlich zur Eskalation des Streits: Während die Gruppe im ‘Silbermantel’ bei einer alten Gefährtin von Ranari unterkam, bezog Ranari selbst Quartier in der Halle der Antimagie und besuchte die Gefährten nur ab und an, um sich die — in ihren Augen irrelevanten — Ergebnisse ihrer Nachforschungen anzuhören. Denn Ranari war (ganz gemäß dem Streit-Drehbuch) mittlerweile gänzlich anderer Meinung als ihre GefährtInnen, was das weitere Vorgehen der Gezeichneten anging.

Einer dieser Besuche endete damit, dass Ranari türenknallend das Gasthaus verließ, nur um draußen unten den Augen der Schaulustigen Jule und Melyan anzuschreien, die ihr nachgeeilt waren. Das Erste Zeichen muss an dieser Szene, in der die Erste Gezeichnete klarmachte, dass sie sich nicht länger den anderen Gezeichneten unterordnen oder sich überhaupt noch etwas von ihnen sagen lassen wollte, seine helle Freude gehabt haben ...

Hier wurde dann auch der nächste Schritt der Blutigen Sieben offenbar: Mit APPLICATUS hatten diese nachts einen PANIK ÜBERKOMME EUCH auf die Türschwelle des ‘Silbermantel’ gezaubert, der auf Ranari gelegt wurde, sobald sie das Gasthaus betrat. So flohen während unseres Streites andere Gäste und Passanten in Panik vor uns. Einerseits schädigte das — wie von den Blutigen Sieben beabsichtigt — weiter unser Ansehen, andererseits spielte es uns selber in die Karten, denn es verstärkte den Eindruck, den unser Streit machte, erheblich.

Während Ranari gen Akademie davonrauschte, zogen sich Melyan und Jule geknickt ins Gasthaus zurück — während wir SpielerInnen uns innerlich über den großen Erfolg unseres Zerstreitungsplans freuten. Allerdings: Das Lachen blieb uns gleich im Hals stecken, als wir drinnen auf eine völlig aufgelöste, weinende Juri Silbermantel trafen. Denn unsere alte Freundin war zur Sicherheit nicht in den Plan eingeweiht und glaubte tatsächlich, was sie gerade miterlebt hatte. Als wir später dann noch mitbekamen, wie auf der Straße ein Extrablatt des ‘Kusliker Kuriers’ verkauft wurde, das wilde Spekulationen zu einem Auseinanderbrechen der Gezeichneten proklamierte, wurde uns schon auch sehr bewusst, dass wir das Vertrauen unserer Verbündeten aufs Spiel setzten. Aber wir konnten jetzt nicht mehr zurück.

Bei den Blutigen Sieben

Als Ranari an jenem Abend zur Akademie zurückkam, nahm sie draußen auf dem Platz in einer Ecke vage schemenhaft einen Schatten wahr, und fand an jener Stelle ein rotes Seidentuch mit einer in Schwarz aufgestickten Dämonenkrone, das nach Jadesterns Parfum roch. Sie nahm das Tuch an sich und ließ selbst ein blaues, mit silbernen Elementarzeichen besticktes Tuch dort zurück. Später entdeckte sie schließlich Jadestern auf dem gegenüberliegenden Hausdach, die sie nur lange durchs Fenster ansah ...

... und sie unten in Empfang nahm, als Ranari schließlich die Akademie verließ. Schön an der Szene war, dass sie nur weniger Worte bedurfte. Ranari sagte nur: “Ich bin soweit”, und dann führte Jadestern sie aus der Stadt hinaus zu einer der Villen, die in einem Kusliker Vorort stehen.

Auf deren Terrasse aßen die Blutigen Sieben grade zu Abend, wobei Ranari vorerst noch im Verborgenen blieb und mithörte, wie gerade Torben Dergeler — die Abwesenheit Jadesterns ausnutzend — im Gange war, sich selbst zum Anführer der Gruppe aufzuschwingen. Er betonte dabei seinen bedeutsamen Anteil an den aktuellen Zwistigkeiten der Gezeichneten — hätte er doch den Kontakt zu Finduilas hergestellt, deren verderbender Einfluss nun für all die Streitigkeiten unter den Gezeichneten sorgte! (Einerseits freuten wir uns hier, weil die Streitigkeiten ja eigentlich von uns selber initiiert waren, andererseits waren wir geschockt, dass Finduilas offenbar doch unsere Feindin war — was sollte man eigentlich noch glauben?) Torben bezichtigte Jadestern jedenfalls generell der Erfolglosigkeit und forderte die anderen auf, nunmehr auf seine statt auf Jadesterns Pläne zu hören. (Es war interessant zu sehen, dass die Blutigen Sieben auch ein Haufen von Individualisten waren, eine sehr mächtige Anti-Heldengruppe, mit ihrer eigenen Dynamik: Torben Dergeler war offenbar das ambitionierte Großmaul, der die etwas tumberen und aggressiveren Mitglieder wie Xarfaidon und Granwayn vereinnahmen wollte, indem er Jadestern — die eine geduldige, möglichst risikolose Zermürbungstaktik vorgegeben hatte — als schwach und inaktiv darstellte.)

Diesen Moment nutzte Jadestern, die bislang schweigend zugehört und sich nicht verteidigt hatte, um ihren Trumpf aus dem Ärmel zu holen: die Erste Gezeichnete.

Der Auftritt Ranaris war eine der intensivsten Rollenspiel-Erlebnisse unserer Kampagne: Sie musste sich nicht nur als Überläuferin beweisen, sondern musste auch das wackelige Autoritätsgefüge innerhalb der Blutigen Sieben kontrollieren. Deswegen trat sie direkt sehr aggressiv auf, nicht als Rekrutin sondern als die eigentliche ‘Playerin’, als mächtige Zauberin, als Erste Gezeichnete, die die anderen (schwachen und unwürdigen) Gezeichneten auf dem Silbertablett präsentieren könne. Sie ließ keine Zweifel daran aufkommen, dass sie es ernst meinte und spielte ihre Rolle so souverän, dass die Blutigen Sieben regelrecht in den Bann geschlagen waren. Ranari verlockte sie geradezu und machte mit jedem Wort klar, dass sie es war, die den Schlüssel zum finalen Erfolg der Blutigen Sieben liefern würde.

Vor allem hatte Ranari mit Jadestern die (noch) amtierende Anführerin auf ihrer Seite — ob Jadestern wollte oder nicht, denn Ranari war jetzt ihre einzige Chance, die anderen in der Hand zu behalten. Ohne eine übergelaufene Erste Gezeichnete wären Jadesterns Stunden unter den Blutigen Sieben gezählt, das wusste sie selbst nur zu gut. Ranari nutzte diese Situation sofort aus, indem sie Jadesterns Plan und Vorgehen vor den anderen lobte und bestätigte — so dass Jadestern nun wieder Anführerin war, aber Anführerin von Ranaris Gnaden, und damit nur noch so etwas wie eine Erste Offizierin. So kam es, dass Ranari binnen weniger Minuten zur eigentlichen Anführerin der Blutigen Sieben wurde. Und kaum war dieses Bündnis etabliert, brauchte es schon keiner Worte mehr, damit der stammelnde Torben Dergeler mit Jadesterns Dolch im Rücken tot von der Terrasse fiel ...

Finduilas

Doch Ranaris Erfolg war nicht ungetrübt, denn als Ranari zu den Blutigen Sieben stieß, war noch eine gerade dabei, deren Vertrauen zu gewinnen: Finduilas hatte die Gezeichneten bereits auf dem Rahja-Fest verlassen, weil sie selbst mittlerweile fürchtete (so zumindest ihre Begründung), dass sie der Gruppe mehr schade als nütze und allein mehr für die Sache der Gezeichneten tun könne. Obwohl niemand damit glücklich war, ließ man sie ziehen — und hegte durchaus einen Verdacht, als das Fest nur kurz nach Finduilas' Verschwinden dann überfallen wurde ...

Tatsächlich hatten wir SpielerInnen bereits lange den Verdacht, dass sie eine der Blutigen Sieben sein könnte und sich unser Vertrauen über die Schuldgefühle der Zweiten Gezeichneten erschleicht, nur um uns schließlich zu verraten. Aber genau die Ungewissheit darüber fanden wir auch ziemlich spannend :-).

Und nun war sie tatsächlich hier unter den Blutigen Sieben, offensichtlich (oder vorgeblich?) als Informantin Torben Dergelers. Ranari kostete es große Willenskraft, ihr Spiel weiterzuspielen, als sie beim Eintreten Finduilas erblickte. Diese war allerdings nicht minder geschockt und blickte Ranari zunächst völlig entgeistert und mit Panik in den Augen an, bevor es ihr gelang, ihre einstudierte hintergründige Maske wieder aufzusetzen. Bald stellte sich heraus, dass Finduilas (noch) nicht zu den Sieben gehörte, sondern dass sie von Torben Dergeler angeworben worden war, um bei uns zu spionieren — wohl mit der Aussicht, demnächst Jadestern zu ersetzen.

Nachdem Ranari ihren Plan von der Eroberung der (anderen drei) Zeichen plus Rohalskappe unterbreitet hatte (interessanterweise genau der Plan, den Jadestern selbst bereits seit einiger Zeit verfolgte, was das Bündnis zwischen Ranari und ihr noch festigte), und die Blutigen Sieben schon untereinander stritten, wer welches Zeichen für sich erobern können würde, bestand für Ranari immer noch die heikle Frage, was sie mit Finduilas tun sollte: War sie tatsächlich eine Spionin der Blutigen Sieben oder zeugte ihre entsetzte Reaktion davon, dass sie eigentlich hier war, um uns zu helfen? Hatte sie sich von Torben anwerben lassen, um die Gezeichneten durch Fehlinformationen an ihre Feinde schützen zu können? All das konnte unter den Augen der anderen Blutigen Sieben ja nicht geklärt werden. Sollte Ranari Finduilas in ihr Verderben schicken oder ihr helfen?

Ranari entschloss sich, Finduilas zu prüfen und gab ihr — als neue Anführerin konnte sie das ja — den Auftrag, ihre Rolle als Freundin der Gezeichneten weiterzuspielen und bei ihnen für die Blutigen Sieben zu spionieren. Angesichts dieses offenkundigen Vertrauensbeweises gegenüber Finduilas sah nun wiederum Jadestern ihre Position gefährdet und wurde zusehends unruhiger: Wie konnte Ranari dieser Fremden, die Jadesterns Feind Torben mitgebracht hatte, um gegen sie zu intrigieren, so offen Vertrauen schenken? Was konnte sie tun, um diese Konkurrentin loszuwerden — oder konnte sie es riskieren, nun nach Torbens Tod auch Ranari loszuwerden? Die Spannung, die nun in der Luft lag, konnte man fast greifen, während Ranari in aller Ruhe abwartete, bis Finduilas sich auf den Weg gemacht hatte. Dann wandte sie sich zu den anderen und stellte die Verhältnisse klar:

“So. Jetzt sind wir sieben.”

Fortsetzung: Zweiter Teil des Spielberichts

Kommentare

#10. Katharina (24-02-10, 09:53)

@Amina:

Zitat

Solche Einzelszenen, dass klingt wie etwas, dass man umsetzen kann, wenn man sich nicht nur alle drei Monate einmal für fünf oder sechs Stunden trifft.

Tatsächlich treffen wir uns derzeit auch nur alle drei Monate, wenns hoch kommt, dann allerdings meist direkt für anderthalb Tage.

Aber das Ganze hängt natürlich auch sehr von den Gruppengewohnheiten ab. Ich kenne auch Gruppen, wo die einzelnen Spieler alle sehr auf ihrer ‘Screentime’ beharren und sich gleichzeitig wenig dafür interessieren, was die anderen machen, wenn die dann dran sind. Das ist bei uns nicht so. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir Pläne immer zusammen machen und deshalb dann mit der ‘ausführenden’ Heldin auch mitfiebern, wenn es nicht unsere eigene ist.

#9. Amina (23-02-10, 23:35)

Solche Einzelszenen, dass klingt wie etwas, dass man umsetzen kann, wenn man sich nicht nur alle drei Monate einmal für fünf oder sechs Stunden trifft. Dahingehend hat sich mein Rollenspiel sehr verändert.

Nichts desto trotz gefällt mir dieser kurze Schwenk zum Gegner so gut, dass ich es einmal vorschlagen werde, bzw. es einmal selber ausprobieren möchte. Ich glaube, die Phileassonsaga eignet sich dazu eigentlich sehr gut, da man dort ebenso vertraute “Gegner” hat.

#8. Katharina (23-02-10, 18:07)

@Benjamin:

Zitat

Mir leuchtet natürlich sehr ein, dass Tyll diese Off-Scenes einsetzt, um euch zu “manipulieren” ;) , er also natürlich auch mit einer Reaktion rechnet, eben weil sich das Heldinnen- und Spielerwissen nicht trennen lässt. Zusätzlich ist es eine “Vertiefung” des Spielerlebnisses durch stimmige Szenen und Erläuterungen der Gesamtzusammenhänge.

Ja genau! Und wie gesagt dienen diese Off-Szenen auch als ‘Belohnung’ und Erfolgserlebnis.

Zitat

Das ist ja etwas, was mich immer wieder beschäftigt: Der NSC kann ja noch so einen tollen Hintergrund und eine tolle Motivation haben. Wenn aber die Spielerinnen davon nichts mitbekommen, dann bringt dass auch nicht viel fürs Spiel-Erlebnis und kann im Gegenteil zu Frust führen.

Ja. Und oft gibt es ja einfach keine Möglichkeit, diese Hintergründe und Motivationen im ingame-Spiel selber deutlich zu machen, weil viele NSCs halt eher als Strippenzieher aus dem Hintergrund agieren und man sie auch entwerten würde, wenn sie den HeldInnen alle naselang über den Weg laufen und dabei ihre innersten Motive offenbaren würden.


@Martin:

Zitat

Wie habt ihr das am Spieltisch technisch umgesetzt, dass nur die Erste Gezeichnete sich alleine mit den Blutigen Sieben trifft? ... Oder habt ihr euch einfach zurückgelehnt und der Szene gelauscht?

Letzteres, wobei sich einer von uns auch etwas zu weit zurückgelehnt hat und dabei eingeschlafen ist! (Die Szene ging aber auch bis spät in die Nacht hinein.) Ich hab das Zugucken jedenfalls total genossen und fand es superspannend. Wir haben das eigentlich öfters, dass einzelne SpielerInnen auch mal für längere Zeit alleine das Geschehen bestimmen, und wir gucken uns dabei eigentlich immer gerne gegenseitig zu :-).

#7. Martin (23-02-10, 15:17)

Wow! Klasse Spielbericht... ich kann mich der allgemeinen Begeisterung nur anschließen. Schön, dass die Blutigen Sieben bei euch so eine persönliche Angelegenheit geworden sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass insbesondere der Auftritt Ranaris bei den Blutigen Sieben für den Spielleiter toll war – solche Szenen in denen die Spieler unerwartet die Situation ergreifen und nur durch ihr Auftreten die Meisterpersonen an die Wand spielen sind mir bisher nur selteng untergekommen, zählten aber wenn immer zu den Highlights.

Eine neugierige Frage zum Ablauf drängt sich mir hier aber auf – wie habt ihr das am Spieltisch technisch umgesetzt, dass nur die Erste Gezeichnete sich alleine mit den Blutigen Sieben trifft? Nach Deiner Beschreibung klingt es ja nach einer durchaus mehrstündigen Szene – haben die übrigen Spieler dann die Rolle von Angehörigen der Blutigen Sieben aufgenommen, mit Regieanweisung vom Meister? Oder habt ihr euch einfach zurückgelehnt und der Szene gelauscht?

Schöne Grüße,

Martin

#6. Tyll (23-02-10, 13:26)

Pokerface ist für mich in der Regel kein Problem. :) Und selbst wenn meine Runde mal auf meine Mimik achtet, und meint, einen interpretationswürdigen Ausdruck erkennen zu können, machen sie am Ende doch alles so, wie sie wollen und nicht, wie sie meinen, meine Pläne umgehen zu können.

Außerdem sage ich ihnen immer wieder direkt ins Gesicht, dass meine Pläne hauptsächlich überhaupt erst aus ihren Ingame- oder Offgame-Diskussionen entstehen — insofern gibt es da nicht wirklich viel zu unterminieren.

Die Jagd der Gezeichneten auf meine Blutigen Sieben war auch für mich als Spielleiter toll — eigentlich würde ich DSA gern immer so spielen: Die Spieler setzen sich ein Ziel und ich reagiere auf ihr Vorgehen. Die Borbarad-Kampagne im Speziellen ist darauf nicht wirklich eingerichtet, aber das macht auch nichts, da wir als Gruppe nicht auf einen Spielstil festgelegt sind, sondern auch gern Kino spielen und die Spieler sich eigentlich immer genug Zeit und Handlungsfreiheit für ihre Helden nehmen, wenn sie die brauchen, oder eben dem Skript folgen, wenn sie das spannend finden.

Jedenfalls hatte ich durch die Spieler-Ideen viel mehr Gelegenheit, alte Fäden unserer Gruppe im Lieblichen Feld aufzunehmen, als das möglich gewesen wäre, wenn die Gezeichneten sich — abenteuergemäß ;) — ihrerseits von den Blutigen Sieben hätten jagen lassen.

Und Ranaris Auftritt als Überläuferin war das intensivste Rollenspiel-Erlebnis, das ich seit langem hatte. Ich freu mich auch schon auf den zweiten Teil des Berichts, vielleicht ergänze ich dann im Kommentar noch ein paar Meisterinfos zu Hintergründen und NSC-Motivationen, falls nötig.

[Windfeder] Tyll

#5. Jonathan (20-02-10, 14:13)

Das war mal wieder eine erstklassige Beschreibung von erlebtem, durchsetzt mit genial Tipps und Tricks zum Meistern und spielen.

Ich wuerde gerne mal Maeusschen in einer solchen Sitzung sein, und dabei Meister und Spieler betrachten.

Die Offszenen sind wirklich genial, und ich habe sie gestern in KdM zum ersten mal richtig eingesetzt – da sind sie ja praktisch im AB vorgegeben.

Das ganze mit passender Musik untermalt, hat meine ich Eindruck hinterlassen – zumindest sind meine Spieler oefter mit offenen Mund dagesessen.

Was ich als Meister aber vor allem an der Intrigenschnitzerei so schwierig finde: Ich kann – wenn ich nicht gerade einen NSC spiele – mir oft ein grinsen nicht verkneifen. Ob das jetzt am absurd genial Plan, den irren Moeglichkeiten fuer den Meister oder einfach daran liegt, dass ich den Plan schon vor den Spielern entworfen habe, ist egal – nur dass dann meine Spieler darauf reagieren und leider haeufig dann noch Schwenks im Plan vornehmen (“der Meister grinst schon wieder so fies”).

Das trennen von Helden und Spielerwissen ist halt leider nicht selbstverstaendlich – aber den Goettern sei Dank in unterschiedlicher Auspraegung bei den Spielern vorhanden.

Weiter so, gebt es Ihnen, berichtet uns!

Beste Gruesse

-Jonathan

dessen Helden gerade eine Seeschlange von innen kennengelernt haben, nachdem sie aus der Vergangenheit von KdM gepurzelt sind.

#4. Lars (19-02-10, 16:01)

Sehr hübsch – und ich mag Jadestern ja so :o)

Off Scenes lerne ich gerade als Spieler zu schätzen und werde sie bestimmt auch als Spielleiter mal ausprobieren!

Liebe Grüße,

Lars

#3. Der Mönch (19-02-10, 14:05)

Ah! Ich verstehe jetzt eure Herangehensweise besser. Mir leuchtet natürlich sehr ein, dass Tyll diese Off-Scenes einsetzt, um euch zu “manipulieren” ;) , er also natürlich auch mit einer Reaktion rechnet, eben weil sich das Heldinnen- und Spielerwissen nicht trennen lässt. Zusätzlich ist es eine “Vertiefung” des Spielerlebnisses durch stimmige Szenen und Erläuterungen der Gesamtzusammenhänge.

Das ist ja etwas, was mich immer wieder beschäftigt: Der NSC kann ja noch so einen tollen Hintergrund und eine tolle Motivation haben. Wenn aber die Spielerinnen davon nichts mitbekommen, dann bringt dass auch nicht viel fürs Spiel-Erlebnis und kann im Gegenteil zu Frust führen.

Gerade hier können die Off-Scenes eine Hilfe sein.

Wenn ich jetzt auch noch Zeit finden würde, dass mit einer Gruppe auszuprobieren... :D

Danke jedenfalls für die Erläuterungen, ich hoffe ihr habt die pösen Sieben stilvoll erledigt! ;)

#2. Katharina (19-02-10, 12:21)

Huhu Benjamin!

Also ich hab ja ehrlich gesagt nie so ganz verstanden, wo das Problem mit der Trennung von Spieler- und Heldenwissen ist. Zumindest bei uns in der Gruppe ist auf der einen Seite klar, dass HeldInnen natürlich nicht über Wissen verfügen können, das exklusiv nur wir SpielerInnen haben. Es ist aber auch klar, dass niemand von uns extra entgegen des Spielerwissens handeln muss, nur um zu beweisen, dass wir uns davon auch ja nicht haben beeinflussen lassen.

Und dass Spielerwissen unsere Heldenentscheidungen beeinflusst, ist auch klar. Wenn wir als SpielerInnen durch eine Off-Scene wissen, dass unsere Feinde uns eine Falle gestellt haben, natürlich suchen wir dann für unsere HeldInnen nach ingame-Gründen, sich generell vorsichtig zu verhalten. Warum auch nicht — wenn der Meister uns mit der Falle wirklich hätte überraschen wollen, dann hätte er keine Off-Scene dafür gemacht.

(Es kann aber genausogut sein, dass es eben einfach keine ingame-Gründe für Vorsicht gibt und wir unsere HeldInnen voll in die gefährliche Situation reinstolpern lassen. Das kann auch Spaß machen ;-).)

Off-Scenes sind ein Mittel, um die SpielerInnen zu beeinflussen. Und das kann eben genausogut bedeuten, dass man sie dadurch in ihrer Interpretation der Motive eines NSCs bestärkt, die Gefählichkeit oder die Schwachstellen eines Feindes verdeutlicht oder ihnen einen wichtigen Hinweis oder Zusammenhang nochmal vor Augen führt, den sie vergessen haben. Wenn das alles sich allerdings nachher überhaupt nicht aufs Rollenspiel auswirken darf, dann braucht man sich die Mühe für solche Szenen gar nicht erst zu machen.

Lieber Gruß, Katharina

#1. Der Mönch (19-02-10, 11:39)

Sehr schön! :) Bin gespannt wie es weitergeht!

Noch eine Frage zu den Off-Scenes:

Wie empfindet ihr denn die Aufgabe, Spielerinnen- und Helden-Wissen zu trennen? Das wird ja durch die Off-Scenes gefordert.

Liebe Grüße,

Benjamin