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Der Mönch

19.02.2010, 11:39 Uhr ~ #1

Sehr schön! :) Bin gespannt wie es weitergeht!

Noch eine Frage zu den Off-Scenes:

Wie empfindet ihr denn die Aufgabe, Spielerinnen- und Helden-Wissen zu trennen? Das wird ja durch die Off-Scenes gefordert.

Liebe Grüße,

Benjamin


Katharina

19.02.2010, 12:21 Uhr ~ #2

Huhu Benjamin!

Also ich hab ja ehrlich gesagt nie so ganz verstanden, wo das Problem mit der Trennung von Spieler- und Heldenwissen ist. Zumindest bei uns in der Gruppe ist auf der einen Seite klar, dass HeldInnen natürlich nicht über Wissen verfügen können, das exklusiv nur wir SpielerInnen haben. Es ist aber auch klar, dass niemand von uns extra entgegen des Spielerwissens handeln muss, nur um zu beweisen, dass wir uns davon auch ja nicht haben beeinflussen lassen.

Und dass Spielerwissen unsere Heldenentscheidungen beeinflusst, ist auch klar. Wenn wir als SpielerInnen durch eine Off-Scene wissen, dass unsere Feinde uns eine Falle gestellt haben, natürlich suchen wir dann für unsere HeldInnen nach ingame-Gründen, sich generell vorsichtig zu verhalten. Warum auch nicht — wenn der Meister uns mit der Falle wirklich hätte überraschen wollen, dann hätte er keine Off-Scene dafür gemacht.

(Es kann aber genausogut sein, dass es eben einfach keine ingame-Gründe für Vorsicht gibt und wir unsere HeldInnen voll in die gefährliche Situation reinstolpern lassen. Das kann auch Spaß machen ;-).)

Off-Scenes sind ein Mittel, um die SpielerInnen zu beeinflussen. Und das kann eben genausogut bedeuten, dass man sie dadurch in ihrer Interpretation der Motive eines NSCs bestärkt, die Gefählichkeit oder die Schwachstellen eines Feindes verdeutlicht oder ihnen einen wichtigen Hinweis oder Zusammenhang nochmal vor Augen führt, den sie vergessen haben. Wenn das alles sich allerdings nachher überhaupt nicht aufs Rollenspiel auswirken darf, dann braucht man sich die Mühe für solche Szenen gar nicht erst zu machen.

Lieber Gruß, Katharina


Der Mönch

19.02.2010, 14:05 Uhr ~ #3

Ah! Ich verstehe jetzt eure Herangehensweise besser. Mir leuchtet natürlich sehr ein, dass Tyll diese Off-Scenes einsetzt, um euch zu “manipulieren” ;) , er also natürlich auch mit einer Reaktion rechnet, eben weil sich das Heldinnen- und Spielerwissen nicht trennen lässt. Zusätzlich ist es eine “Vertiefung” des Spielerlebnisses durch stimmige Szenen und Erläuterungen der Gesamtzusammenhänge.

Das ist ja etwas, was mich immer wieder beschäftigt: Der NSC kann ja noch so einen tollen Hintergrund und eine tolle Motivation haben. Wenn aber die Spielerinnen davon nichts mitbekommen, dann bringt dass auch nicht viel fürs Spiel-Erlebnis und kann im Gegenteil zu Frust führen.

Gerade hier können die Off-Scenes eine Hilfe sein.

Wenn ich jetzt auch noch Zeit finden würde, dass mit einer Gruppe auszuprobieren... :D

Danke jedenfalls für die Erläuterungen, ich hoffe ihr habt die pösen Sieben stilvoll erledigt! ;)


Lars

19.02.2010, 16:01 Uhr ~ #4

Sehr hübsch – und ich mag Jadestern ja so :o)

Off Scenes lerne ich gerade als Spieler zu schätzen und werde sie bestimmt auch als Spielleiter mal ausprobieren!

Liebe Grüße,

Lars


Jonathan

20.02.2010, 14:13 Uhr ~ #5

Das war mal wieder eine erstklassige Beschreibung von erlebtem, durchsetzt mit genial Tipps und Tricks zum Meistern und spielen.

Ich wuerde gerne mal Maeusschen in einer solchen Sitzung sein, und dabei Meister und Spieler betrachten.

Die Offszenen sind wirklich genial, und ich habe sie gestern in KdM zum ersten mal richtig eingesetzt – da sind sie ja praktisch im AB vorgegeben.

Das ganze mit passender Musik untermalt, hat meine ich Eindruck hinterlassen – zumindest sind meine Spieler oefter mit offenen Mund dagesessen.

Was ich als Meister aber vor allem an der Intrigenschnitzerei so schwierig finde: Ich kann – wenn ich nicht gerade einen NSC spiele – mir oft ein grinsen nicht verkneifen. Ob das jetzt am absurd genial Plan, den irren Moeglichkeiten fuer den Meister oder einfach daran liegt, dass ich den Plan schon vor den Spielern entworfen habe, ist egal – nur dass dann meine Spieler darauf reagieren und leider haeufig dann noch Schwenks im Plan vornehmen (“der Meister grinst schon wieder so fies”).

Das trennen von Helden und Spielerwissen ist halt leider nicht selbstverstaendlich – aber den Goettern sei Dank in unterschiedlicher Auspraegung bei den Spielern vorhanden.

Weiter so, gebt es Ihnen, berichtet uns!

Beste Gruesse

-Jonathan

dessen Helden gerade eine Seeschlange von innen kennengelernt haben, nachdem sie aus der Vergangenheit von KdM gepurzelt sind.


Tyll

23.02.2010, 13:26 Uhr ~ #6

Pokerface ist für mich in der Regel kein Problem. :) Und selbst wenn meine Runde mal auf meine Mimik achtet, und meint, einen interpretationswürdigen Ausdruck erkennen zu können, machen sie am Ende doch alles so, wie sie wollen und nicht, wie sie meinen, meine Pläne umgehen zu können.

Außerdem sage ich ihnen immer wieder direkt ins Gesicht, dass meine Pläne hauptsächlich überhaupt erst aus ihren Ingame- oder Offgame-Diskussionen entstehen — insofern gibt es da nicht wirklich viel zu unterminieren.

Die Jagd der Gezeichneten auf meine Blutigen Sieben war auch für mich als Spielleiter toll — eigentlich würde ich DSA gern immer so spielen: Die Spieler setzen sich ein Ziel und ich reagiere auf ihr Vorgehen. Die Borbarad-Kampagne im Speziellen ist darauf nicht wirklich eingerichtet, aber das macht auch nichts, da wir als Gruppe nicht auf einen Spielstil festgelegt sind, sondern auch gern Kino spielen und die Spieler sich eigentlich immer genug Zeit und Handlungsfreiheit für ihre Helden nehmen, wenn sie die brauchen, oder eben dem Skript folgen, wenn sie das spannend finden.

Jedenfalls hatte ich durch die Spieler-Ideen viel mehr Gelegenheit, alte Fäden unserer Gruppe im Lieblichen Feld aufzunehmen, als das möglich gewesen wäre, wenn die Gezeichneten sich — abenteuergemäß ;) — ihrerseits von den Blutigen Sieben hätten jagen lassen.

Und Ranaris Auftritt als Überläuferin war das intensivste Rollenspiel-Erlebnis, das ich seit langem hatte. Ich freu mich auch schon auf den zweiten Teil des Berichts, vielleicht ergänze ich dann im Kommentar noch ein paar Meisterinfos zu Hintergründen und NSC-Motivationen, falls nötig.

[Windfeder] Tyll


Martin

23.02.2010, 15:17 Uhr ~ #7

Wow! Klasse Spielbericht... ich kann mich der allgemeinen Begeisterung nur anschließen. Schön, dass die Blutigen Sieben bei euch so eine persönliche Angelegenheit geworden sind. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass insbesondere der Auftritt Ranaris bei den Blutigen Sieben für den Spielleiter toll war – solche Szenen in denen die Spieler unerwartet die Situation ergreifen und nur durch ihr Auftreten die Meisterpersonen an die Wand spielen sind mir bisher nur selteng untergekommen, zählten aber wenn immer zu den Highlights.

Eine neugierige Frage zum Ablauf drängt sich mir hier aber auf – wie habt ihr das am Spieltisch technisch umgesetzt, dass nur die Erste Gezeichnete sich alleine mit den Blutigen Sieben trifft? Nach Deiner Beschreibung klingt es ja nach einer durchaus mehrstündigen Szene – haben die übrigen Spieler dann die Rolle von Angehörigen der Blutigen Sieben aufgenommen, mit Regieanweisung vom Meister? Oder habt ihr euch einfach zurückgelehnt und der Szene gelauscht?

Schöne Grüße,

Martin


Katharina

23.02.2010, 18:07 Uhr ~ #8

@Benjamin:

Zitat

Mir leuchtet natürlich sehr ein, dass Tyll diese Off-Scenes einsetzt, um euch zu “manipulieren” ;) , er also natürlich auch mit einer Reaktion rechnet, eben weil sich das Heldinnen- und Spielerwissen nicht trennen lässt. Zusätzlich ist es eine “Vertiefung” des Spielerlebnisses durch stimmige Szenen und Erläuterungen der Gesamtzusammenhänge.

Ja genau! Und wie gesagt dienen diese Off-Szenen auch als ‘Belohnung’ und Erfolgserlebnis.

Zitat

Das ist ja etwas, was mich immer wieder beschäftigt: Der NSC kann ja noch so einen tollen Hintergrund und eine tolle Motivation haben. Wenn aber die Spielerinnen davon nichts mitbekommen, dann bringt dass auch nicht viel fürs Spiel-Erlebnis und kann im Gegenteil zu Frust führen.

Ja. Und oft gibt es ja einfach keine Möglichkeit, diese Hintergründe und Motivationen im ingame-Spiel selber deutlich zu machen, weil viele NSCs halt eher als Strippenzieher aus dem Hintergrund agieren und man sie auch entwerten würde, wenn sie den HeldInnen alle naselang über den Weg laufen und dabei ihre innersten Motive offenbaren würden.


@Martin:

Zitat

Wie habt ihr das am Spieltisch technisch umgesetzt, dass nur die Erste Gezeichnete sich alleine mit den Blutigen Sieben trifft? ... Oder habt ihr euch einfach zurückgelehnt und der Szene gelauscht?

Letzteres, wobei sich einer von uns auch etwas zu weit zurückgelehnt hat und dabei eingeschlafen ist! (Die Szene ging aber auch bis spät in die Nacht hinein.) Ich hab das Zugucken jedenfalls total genossen und fand es superspannend. Wir haben das eigentlich öfters, dass einzelne SpielerInnen auch mal für längere Zeit alleine das Geschehen bestimmen, und wir gucken uns dabei eigentlich immer gerne gegenseitig zu :-).


Amina

23.02.2010, 23:35 Uhr ~ #9

Solche Einzelszenen, dass klingt wie etwas, dass man umsetzen kann, wenn man sich nicht nur alle drei Monate einmal für fünf oder sechs Stunden trifft. Dahingehend hat sich mein Rollenspiel sehr verändert.

Nichts desto trotz gefällt mir dieser kurze Schwenk zum Gegner so gut, dass ich es einmal vorschlagen werde, bzw. es einmal selber ausprobieren möchte. Ich glaube, die Phileassonsaga eignet sich dazu eigentlich sehr gut, da man dort ebenso vertraute “Gegner” hat.


Katharina

24.02.2010, 09:53 Uhr ~ #10

@Amina:

Zitat

Solche Einzelszenen, dass klingt wie etwas, dass man umsetzen kann, wenn man sich nicht nur alle drei Monate einmal für fünf oder sechs Stunden trifft.

Tatsächlich treffen wir uns derzeit auch nur alle drei Monate, wenns hoch kommt, dann allerdings meist direkt für anderthalb Tage.

Aber das Ganze hängt natürlich auch sehr von den Gruppengewohnheiten ab. Ich kenne auch Gruppen, wo die einzelnen Spieler alle sehr auf ihrer ‘Screentime’ beharren und sich gleichzeitig wenig dafür interessieren, was die anderen machen, wenn die dann dran sind. Das ist bei uns nicht so. Vielleicht liegt das auch daran, dass wir Pläne immer zusammen machen und deshalb dann mit der ‘ausführenden’ Heldin auch mitfiebern, wenn es nicht unsere eigene ist.


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